St. Margarethen: Ungemein beeindruckende „Aida“ im Steinbruch

Kultur

Imposantes, bildmächtiges Ausstattungsspektakel kam zur Premiere. 2025 folgt Wagners „Der fliegende Holländer“.

Von Helmut Christian Mayer

In schwindelerregender Höhe balanciert ganz langsam ein einsamer Seiltänzer quer über die komplette Naturbühne und beginnt dann auch noch zu brennen, während Radamés und Aida, schon eingemauert und dem Tod nahe, ihr berührendes Schlussduett singen. Aber auch sonst schöpft man hier in der Naturbühne des Steinbruchs von St. Margarethen im Burgenland bei der in diesem Jahr gezeigten Oper „Aida“ von Giuseppe Verdi erwartungsgemäß aus dem Vollen. 

Wearegiving/Tommi Schmid

Dafür sorgt einmal mehr Thaddeus Strassberger, der auch schon vor zwei Jahren für Puccinis „Turandot“ (Inszenierung und Bühnenbild), verantwortlich zeichnete: Ein imposanter Tempel, auf dem immer wieder Projektionen zu sehen sind, dominiert die Bühne. Darüber liegt ein riesiger Sarkophag, daneben ein goldener Obelisk. Meterhohe Wasserkaskaden schießen in verschiedensten Farben beleuchtet aus den vielen Wasserbecken. 

Prunk mit Elefant

Tanzakrobaten, Schwerkämpfer (mitreißend: die georgische Tanztruppe Pesvebi), Feuerschlucker und Unmengen von Statisten, alle wie die Protagonisten in sehr ästhetische Roben (Giuseppe Palella) gehüllt, bevölkern die Bühne, wie auch ein imposanter Elefant, der sogar am Kopf und Rüssel zu brennen beginnt und auf dem Radamés stehend während des Triumphmarsches hereingezogen wird.  Die Schaueffekte des Ausstattungsspektakels sind enorm und machen Staunen. In der eigentlichen Personenführung auf der 7.000 Quadratmeter großen Bühne, setzt Strassberger hauptsächlich auf punkvolle Arrangements und auf Schreittheater. 

Wearegiving/Tommi Schmid

Auch stimmlich wird man überwiegend beeindruckt: Allen voran verfügt der aus Venezuela stammende Jorge Puerta als Radamés über einen ausgesprochen klangschönen, kraftvollen Tenor mit immenser Höhensicherheit. Er ist aber auch zu feinen, lyrischen Tönen fähig. 

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Als Titelheldin besticht die US-amerikanische Sopranistin Leah Crocetto mit etwas viel Vibrato aber mit beeindruckender dramatischer Attacke und ungefährdeten Höhen. Raehann Bryce Davis ist eine sehr präsente Amneris mit rundem Mezzosopran. Sie wird auf einem prunkvoll ausgestatteten Boot effektvoll hereingezogen. Jongmin Park singt den Priester Ramfis mit nobler, machtvoller Stimmfülle. Gangsoon Kim ist ein (auch stimmlich) zu wenig präsenter Amonasro. Sehr stimmkräftig hört man hingegen Ivan Zinoviev als König und sehr homogen den Philharmonia Chor Wien (Einstudierung: Walter Zeh) aus dem Off.

Wearegiving/Tommi Schmid

Das Piedra Festivalorchesters unter Iván López-Reynoso vermag sehr nuancenreich, sehr aufregend aber auch durchaus großteils feinsinnig zu musizieren.

Großer Jubel im Publikum!

Bis 24. August wird Aida insgesamt 27-mal im Steinbruch St. Margarethen gezeigt. www.operimsteinbruch.at.

Kurier-Wertung: Vier Sterne

 

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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