„Sweet Charity“ an der Volksoper: Gute Umsetzung eines Werks mit Schwächen

Kultur

Das Musical „Sweet Charity“ von Cy Coleman und Neil Simon als Eröffnungspremiere an der Wiener Volksoper

Eine präzise, intelligente und humorvolle Regie, ein starkes Bühnenbild, schöne Kostüme, eine feine Choreografie, eine kluge Licht- wie Videoregie, dazu eine brillante Hauptdarstellerin – das müsste doch ein echter Hit sein. Ja und leider auch ein bisschen nein.

Denn die Wiener Volksoper setzt bei ihrer Eröffnungspremiere der diesjährigen, naturgemäß Corona-überschatteten Saison auf das in unseren Breiten selten gespielte Musical „Sweet Charity“ von Komponist Cy Coleman und Stardramatiker Neil Simon. Ein Werk, das seit seiner Uraufführung 1966 in New York zumindest in Europa nicht den Eingang in den Kanon der klassischen, amerikanischen Musicals gefunden hat.

Überleben

Dabei wäre der Stoff ein zutiefst europäischer. Basierend auf dem Film „Die Nächte der Cabiria“ von Federico Fellini haben Coleman und Simon die tragische Geschichte rund um die Prostituierte Charity, die an das Gute glaubt, dennoch kein Glück, aber zu eigener (Überlebens-)Größe findet, nach New York verlegt. Im Nachtklub-Ambiente trifft die „Tänzerin“ Charity auf den berühmten Filmstar Vittorio Vidal, auf den bieder-neurotischen Oscar Lindquist und auf jede Menge Mädels, die aus dem Milieu ausbrechen wollen. Ein Happy-End ist aber keiner vergönnt . . .

Das wäre an sich ein packender Stoff, den die Volksoper szenisch auch perfekt umsetzt. Die Schwächen des Werkes aber bleiben offensichtlich. Viele, auch langatmige Dialoge (bitte mehr Mut zu Strichen!) wechseln mit mitreißenden Hits wie „Big Spender“ oder „Rhythm of Life“ (auf Deutsch gesungen).

Und auf diese Hits baut Regisseur Johannes von Matuschka, der auch dank der tollen Kostüme (Tanja Liebermann), der fabelhaften, oft mit wenigen Leuchtbuchstaben auskommenden Drehbühne (zusätzlich noch für die Videos zuständig: Momme Hinrichs sowie Torge Møller von fettFilm) eine extrem intensive Umsetzung vorlegt. Sich drehende Aufzüge, U-Bahn-Waggons, eine mitunter an „Tanz der Vampire“ gemahnende Kirchengemeinschaft – Johannes von Matuschka macht alles richtig und setzt diese Charity Hope Valentine ideal in Szene.

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Mit der großartigen Lisa Habermann hat er aber auch das ultimative Kraftzentrum dieser Produktion zur Verfügung. Ihre bis zur Selbstaufgabe liebende Charity lässt stimmlich wie darstellerisch keine Wünsche offen – Habermann ist diese Charity!

Und sonst? Drew Sarich hat als Sektenführer einer „Kirche“ einen beeindruckenden und gewaltigen Kurzauftritt, Axel Herrig überzeugt als Vittorio Vidal als Darsteller, Peter Lesiak ist ein in jeder Hinsicht viel zu blasser Oscar. Julia Koci, Caroline Frank, Ines Hengl-Pirker und Christian Graf machen dagegen mit Nachdruck auf sich aufmerksam. Auch das übrige Ensemble agiert souverän.

Eine Freude: Dirigent Lorenz C. Aichner und das top-geprobte Orchester, die Colemans Melodien mit viel Witz, Verve und auch der berühmten Träne im Knopfloch zum Klingen bringen. Jubel.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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