Von Gabalier bis „Starmania“: Die Pole des ORF

Kultur

Der Öffentlich-Rechtliche versucht die gesellschaftlichen Strömungen unter einen Hut zu bringen.

Wofür steht eigentlich Andreas Gabalier? Der „Rehlein“-Barde gestaltet für den ORF einen vorweihnachtlichen Liederabend, wie ORF2-Channelchef Alexander Hofer am Dienstag bei der Präsentation des Herbstprogrammes verkündete. Weder er noch Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärten auf KURIER-Frage, wofür Gabalier aus ihrer Sicht gesellschaftspolitisch steht – etwa anhand des Zitats: „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht.“

„Frage erwartbar“

Hofer findet die Frage vielmehr „erwartbar“. Der ORF zeige in einem Programm alle Spektralfarben. „Ich gehe davon aus, dass er solche Sätze nicht in der Aufzeichnung sagen wird.“ Das Publikum werde auch eher auf das weihnachtliche Liedgut reflektieren als auf die gesellschaftspolitischen Anschauungen des Künstlers. „Insgesamt ist es, glaube ich, verkraftbar.“

ORF/Thomas Ramstorfer

„Insgesamt ist es verkraftbar“: ORF2-Chef Alexander Hofer.

Kein Verfolger

Wrabetz gab an, „kein ganz genauer Verfolger“ von Gabaliers öffentlichen Äußerungen zu sein. Fest stehe, dass es bei der ORF-Übertragung 2019 keine derartigen Diskussionen gegeben habe „und er auch keine missverständlichen Äußerungen getätigt hat“. Programmdirektorin Kathrin Zechner, hierarchisch irgendwo in der Mitte von Wrabetz und Hofer angesiedelt, findet: „Der ORF ist pluralistisch. Andreas Gabalier hat da Platz. Wichtig ist es uns aber auch, die Gegenpositionen zu transportieren, etwa in den gesellschaftspolitisch sehr modernen ,Vorstadtweibern‘.“

ORF/Thomas Ramstorfer

Gegenposition mit „Vorstadtweibern“: Programmdirektorin Kathrin Zechner.

Heimische Stimmenvielfalt

Anlass für diese Betrachtungen zum zeitgenössischen rot-weiß-roten Liedgut war die Programmpräsentation des ORF, die einen Ausblick in Herbst, Winter und Frühjahr gab. Als größten Pflock schlug man auf ORF1 „Starmania 21“ ein, die Neuauflage der Castingshow, die von 2002 bis 2009 gelaufen war und Größen wie Conchita Wurst und Christl Stürmer hervorgebracht hat. „Wir glauben daran, dass Singen eine ganz große Kraft hat“, sagte ORF1-Chefin Lisa Totzauer. „Wir glauben an die Kraft der österreichischen Stimmen.“

  Die Realität ist weiblich

ORF/Thomas Ramstorfer

„Kraft der österreichischen Stimme“: ORF1-Chefin Lisa Totzauer.

Start am 26. Februar

Nach der langen Sendepause gebe es eine ganze Generation von Künstlerinnen und Künstlern , die im Fernsehen ihren Traum verwirklichen wollen. Start ist der 26. Februar, über die Moderation hüllte sich der ORF noch in Schweigen. Bewerbungen werden bereits entgegen genommen.

„A Team“ mit Marolt

Totzauer hat auch Ex-Dschungelcamperin Larissa Marolt im Programm, die ein Dokutainment-Format namens „A Team für Österreich“ präsentieren wird. Darin soll sich die Moderatorin und Schauspielerin gesellschaftspolitisch relevanten Themen widmen. Starttermin: 25. November. Einer Dauerbaustelle auf ORF1 wird bis Jahresende Zeit gegeben, sich quotenmäßig zu erholen: Dann soll sich das Schicksal von Peter Kliens Late Night-Show entscheiden, so Totzauer. Sie will neben „Willkommen Österreich“ jedenfalls einen zweiten Satire-Slot erhalten.

ORF

Larissa Marolt bekommt ein Docutainment-Format auf ORF1.

Opernballabend wird im ORF stattfinden

ORF2 setzt noch stärker auf das Erfolgs-Dokumentationsformat „Universum“ und plant einige History-Spezialfolgen, etwa zum „Weißen Gold“ in Hallstatt. Der abgesagte Opernball wird dennoch stattfinden, und zwar in einer Art „Best of“ aus dem Archiv, kündigte Hofer an.

Man spürte: Der ORF, der heuer coronabedingt keine große Programmparty schmeißen kann, ist wie viele Unternehmen des Landes unter massivem Spardruck.

Allerdings sieht Alexander Wrabetz langsam etwas wirtschaftliche Entspannung für sein Unternehmen: „Nach Ende des Sommers hat sich die Werbesituation etwas beruhigt. Wir sind gut unterwegs und hoffen, dass …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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