Wien modern: Vier faszinierende Virtuosen und sechs Meisterwerke

Kultur

Das Festival Wien modern triumphierte knapp vor dem Lockdown mit Quatuor Diotima und einer Uraufführung von Beat Furrer

Die Wehmut und seltsame Endzeitstimmung zu Beginn des Gastspiels des französischen Streichquartetts Quatuor Diotima im Rahmen von Wien modern waren schnell verdrängt. Es war das letzte vor Publikum im Wiener Konzerthaus.

Dass man den bevorstehenden Lockdown zumindest an diesem Abend fast fünf Stunden lang so leicht verdrängen konnte, lag an den Ausführenden und am Aufgeführten. Vier außerordentliche Virtuosen – neben dem Arditti Quartett gehören Yun-Peng Zhao und Constance Ronzatti (Violinen) sowie Franck Chevalier (Bratsche) und Pierre Morlet (Cello) zu den führenden Spezialisten für zeitgenössische Kammermusik – spielten Werke von Clara Iannotta, Beat Furrer, Franz Schubert und Maurice Ravel.

Schon die Programmierung von Pierre Morlet ließ aufmerken. Iannottas kurzweilige Komposition „dead wasps in a jam-jar“, ein musikalischer Mikro-Kosmos aus elektronisch verstärkten und verzerrten Streicherklängen, stimmte ideal auf das Ereignis des Abends ein: die Uraufführung von Beat Furrers IV. Streichquartett, einem Auftragswerk von Wien modern, der Pariser Philharmonie und dem Konzerthaus.

Atonales Pizzicto

In dem knapp 18-minütigen Werk manifestierten sich die Qualitäten des gebürtigen Schweizers und Trägers des renommierten Ernst-von-Siemens-Preises. Diese Tonschöpfung konzentriert alle Elemente eines Streichquartetts.

Atemberaubende Läufe blitzen da auf, Momentaufnahmen von Melodien, schroffe Akkorde, zwischendurch eine gezupfte Saite, ein atonales Pizzicato, das war pure Spannung.

Klingel inklusive

Der jähe Schlussakkord am Ende funktionierte perfekt als Pointe. Beat Furrer hat damit gezeigt, wie atemberaubend man heute für analoge Instrumente (auch atonal) komponieren kann.

Bei Franz Schuberts Streichquartett in G-Dur D 887 war deutlich zu hören, wie brillant dieses Ensemble Musik interpretiert. Iannottas „A failed Entertainment“ war ein zu Ton gewordenes Abbild eines Hofnarren, Klingel inklusive.

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Auf Maurice Ravels Streichquartett in F-Dur folgte das dritte von Beat Furrer. 50 Minuten lang Thriller-Spannung, ein hoch konzentriertes, meist atonales Saitenspiel.

Das Publikum bejubelte das Ensemble und den Komponisten. Seine symphonischen Werke wird Furrer selbst beim Abschlusskonzert dirigieren. Das werde nun gestreamt. Trist, aber besser als totale Stille.

Susanne Zobl

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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