103 tote Frauen: Nach Giulia Cecchettins Mord diskutiert Italien über Femizide

Politik

Eine 22-jährige Studentin wurde in Italien brutal getötet. Ihr Ex-Freund wurde Tage später in Deutschland auf der Flucht gefasst. Nun debattiert Italien über Gewalt an Frauen.

Eine Überwachungskamera hat die Tat gefilmt. Ein junger Mann stürzt sich am vergangenen Samstag auf einem Parkplatz in Italien auf eine junge Frau und schlägt sie bewusstlos. Der Mann hebt die Frau hoch und lädt sie blutend in sein Auto. 

Genau dort, auf dem Parkplatz eines Industriegebiets, finden die Carabinieri später Blutflecken, Haare und Klebeband, an dem Haare hingen. Die Frau und der Täter sind verschwunden.

Alle vier Tage stirbt in Italien eine Frau durch Männerhand. 103 Frauen wurden allein in diesem Jahr in Italien ermordet. 80 davon von einem Partner oder Ex-Lebensgefährten, geht aus Medienangaben hervor. Doch kein Fall hat die Öffentlichkeit so bewegt wie jener der 22-jährigen Giulia Cecchettin. Der Fall sorgt für Debatten in den Medien und in der Politik.

Täter und Opfer aus bürgerlichem Milieu

Dies hängt zum einen mit den Umständen der Tat zusammen. Nach dem Treffen mit ihrem Ex-Freund, zu dem sie weiterhin Kontakt hatte, galt Cecchettin als vermisst. Erst Tage später wurde ihre Leiche mit mehrfachen Stichverletzungen an Kopf und Hals in einer Schlucht zwischen dem Berggebiet des Barcis-Sees und Piancavallo in der friaulischen Provinz Pordenone gefunden. 

Nach tagelanger Flucht – auch durch Österreich – wurde ihr Ex-Freund, der mutmaßliche Täter, am Samstagabend nach acht Tagen Flucht auf einer deutschen Autobahn in der Nähe von Leipzig festgenommen. Ihm sollen Geld und Benzin zum Tanken ausgegangen sein. Der Verdächtige soll nun nach Italien ausgeliefert werden,gegen ihn lag ein europäischer Haftbefehl vor. Der Anwalt, Emanuele Compagno, informierte die Familie des mutmaßlichen Täters, dessen Auto auch in Tirol und in Kärnten lokalisiert worden war. 

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Ermittler vermuten, dass die Leiche der Studentin etwa 50 Meter tief in eine Schlucht hinuntergeworfen wurde. Die Frau sei mit mehreren Messerstichen am Hals getötet worden. Die Leiche wies außerdem zahlreiche Abwehrverletzungen an Händen und Armen auf. Ob die Frau bereits tot war, als sie in die Schlucht geworfen wurde, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Leiche war von der Straße aus nicht zu sehen, da sie von einem großen Felsbrocken verdeckt war.

Zum anderen ist es das gutbürgerliche Milieu, aus dem Cecchettin und ihr Ex-Freund stammen. Die Tat ereignete sich kurz vor Cecchettins Examensfeier. Sie hatte ihr Ingenieursstudium in der Mindestdauer absolviert. Wie italienische Medien berichten, soll der junge Mann das Ende der Beziehung nicht verkraftet haben. Dass Cecchettin nach dem Studium ihre Heimatstadt verlassen und eigene Wege gehen wollte, habe nicht in seine Pläne gepasst.

Große Demo für Samstag angekündigt

In mehreren italienischen Städten fanden am Montag Gedenkveranstaltungen statt.  Viele Menschen pilgerten zum Haus der jungen Frau in Vigonovo und hinterließen Blumen. In Padua versammelten sich Hunderte von Studentinnen und Studenten in der Universität Cecchettin, um der Ermordeten zu gedenken. In ihrem Heimatort Vigonovo bei Venedig rief ihre Schwester zu mehr Engagement im Kampf gegen Gewalt an Frauen auf. Am Samstag werden in Rom und anderen italienischen Städten Demonstrationen anlässlich des Internationalen Tages …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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