35 Jahre Tian’anmen-Massaker: China und Hongkong verbieten Gedenken

Politik

Unmittelbar vor dem Jahrestag ließ das Regime mehrere Regierungskritiker verhaften. Wer das Massaker online erwähnt, muss mit ernsten Konsequenzen rechnen.

4. Juni 1989 – wer auch nur dieses Datum in chinesischen sozialen Netzwerken erwähnt, muss damit rechnen, zensiert zu werden. Jegliche Zahlenfolge, jede Kombination von Schriftzeichen, die daran erinnern könnte, dass chinesische Soldaten damals wochenlange, friedliche Studentenproteste in der Hauptstadt mit einem Massaker beendeten, werden von den Online-Zensoren überprüft und gelöscht.

Am heutigen Dienstag jährt sich das Tian’anmen-Massaker, benannt nach dem Platz der aufgehenden Sonne im Herzen Pekings, zum 35. Mal. Wie in den Jahren zuvor hat die chinesische Regierung schon seit Tagen Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass ein öffentliches Gedenken überhaupt möglich wird. In China und in Hongkong kam es laut einem Bericht der NGO Human Rights Watch bereits zu Festnahmen.

86-Jährige Aktivistin in China unter Hausarrest gestellt

So wurde etwa die bekannte Menschenrechtlerin Chow Hang-tung gemeinsam mit sechs weiteren Aktivisten, darunter ihre 65-jährige Mutter, bereits vergangene Woche in Hongkong verhaftet. Die Polizei sprach anschließend von „aufrührerischem Verhalten“ der Gruppe im Hinblick auf ein „nahendes, sensibles Datum“. Chow hatte in vergangenen Jahren regelmäßig Gedenkveranstaltungen am Tag des Massakers organisiert und saß bereits mehrfach im Gefängnis.

In China gab die Aktivistengruppe „Tian’anmen-Mütter“, gegründet von Angehörigen der Opfer des Massakers, bekannt, dass eine ihrer Gründerinnen, die 86-jährige Zhang Xianling, unter Beobachtung gestellt wurde. Seit dem Wochenende würden Polizisten Tag und Nacht ihr Haus in der Provinz Guizhou bewachen. Etliche andere Demokratieaktivisten seien landesweit unter Hausarrest gestellt oder frühmorgens verhaftet worden, so Human Rights Watch.

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„Die chinesische Regierung versucht, die Erinnerung an das Tiananmen-Massaker auszulöschen“, sagt Maya Wang, die stellvertretende China-Direktorin von Human Rights Watch. „Aber auch 35 Jahre später ist die Regierung nicht in der Lage gewesen, die Flammen der Erinnerung für diejenigen zu ersticken, die alles riskieren, um Respekt für Demokratie und Menschenrechte in China zu fördern.“

EPA/RITCHIE B. TONGO

In Taipeh, der Hauptstadt der Insel Taiwan, sind Gedenkveranstaltungen rund um den Jahrestag des Tian’anmen-Massakers noch möglich – wie in vielen anderen Städten weltweit.

Zensur reicht von „World of Warcraft“ bis zu einer christlichen Zeitung

Das Ausmaß des Drucks, den Chinas Regierung auf die Öffentlichkeit ausübt, lässt sich auch anhand von vorauseilenden Maßnahmen beschreiben, die Online-Plattformen in diesen Tagen ergreifen, um sich selbst nicht strafbar zu machen: Etliche Schulen im Land deaktivierten die Möglichkeit für ihre Schüler, auf der hauseigenen Online-Plattform Kommentare zu hinterlassen. Selbst das weltberühmte Online-Videospiel „World of Warcraft“ gab bekannt, aufgrund von „Wartungsarbeiten“ von 3. bis 5. Juni den Betrieb einzustellen. 

Eine besondere Form des Protests überlegte sich die christliche Hongkonger Wochenzeitung Christian Times: In ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlichte sie hauptsächlich weiße Felder auf der Titelseite – und erklärte im Leitartikel, „auf die gegenwärtige Situation“ nur „mit leeren Quadraten und weißem Raum“ reagieren zu können.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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