AK-Präsidentin plädiert für Familien-Arbeitszeitmodell

Politik

Renate Anderl will mehr Anreize für Väter-Karenz schaffen und spricht sich für Recht auf Kindergartenplatz ab dem 1. Lebensjahr aus.

KURIER: Arbeitsmarktdaten wie auch eine Studie der Uni Wien im Auftrag der AK-Wien zeigen, dass Frauen wirtschaftlich und sozial schwerer und länger von der Corona-Krise betroffen sind als Männer. Was ist Ihres Erachtens nach der entscheidende Grund?

Renate Anderl: Die Kinderbetreuung, beginnend beim Kindergarten, muss ausgebaut werden. Die erste Bildungseinrichtung ist wesentlich für Eltern, insbesondere für Frauen, damit sie überhaupt die Möglichkeit haben, einer Beschäftigung nachzugehen. Gleichzeitig muss es möglich sein, die Kinderbetreuung partnerschaftlich aufzuteilen.

Mehr oder verpflichtende Väter-Karenz?

Von Verpflichtungen halte ich wenig. Was uns gemeinsam mit den ÖGB-Frauen vorschwebt ist ein Familien-Arbeitszeitmodell.  Ein Modell, das beiden Elternteilen ermöglicht, die Arbeitszeit beispielsweise auf 30 Wochenstunden reduzieren, um sich die Kinderbetreuung zu teilen. Damit Vater und Mutter sich dafür entscheiden, wollen wir zusätzliche Anreize schaffen.

Welche Anreize könnten das sein?

Das arbeiten wir gerade aus. In Island gibt es ein ähnliches Modell, das drei Monate für die Mutter, drei für den Vater und drei weitere Monate vorsieht. Durch das Modell ist der Anteil der Väter-Karenzen von 30 auf 90 Prozent gestiegen. Männer wollen –  im Gegensatz von vor 30, 40 Jahren –   ihre Vater-Rolle aktiv übernehmen. Was immer vergessen wird und wir aus Studien wissen: Frauen wollen mehr arbeiten, Männer wollen weniger arbeiten. Dem sollten wir Rechnung tragen.

Warum gehen in Relation immer noch so wenige Väter in Karenz?

Weil viele Betriebe erst umdenken müssen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen in die Pflicht genommen werden, die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung zu fördern. Davon sind wir derzeit noch weit entfernt. Es muss für Unternehmen klar sein, dass egal, ob sie ein junges Mädchen oder einen jungen Burschen aufnehmen: Jeder von den beiden wird sich wahrscheinlich Karenz-Zeit nehmen. Männern wird es oft schwergemacht, überhaupt in Karenz zu gehen, aus Angst vor Kündigung gehen sie dann oft nicht.

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Es rechtlich möglich zu machen ist das Eine – die gesellschaftliche Einstellung das Andere.

Das Um und Auf ist – und das weiß ich aus meiner früheren Tätigkeit als ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende – dass jedes Kind ab dem 1. Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz haben muss. Es geht um das Recht, nicht um die Verpflichtung.  Und es geht darum, dass Eltern, egal ob Mutter oder Vater, nicht schief angeschaut werden, wenn sie ihre Kinder ab dem ersten Lebensjahr in die Obhut einer Bildungseinrichtung geben und nach 14 Uhr abholen.

Wie wollen Sie diesem Zustand beikommen?

Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass sich Mütter insbesondere am Land oft rechtfertigen müssen, warum sie ihr Kind schon so früh und so lange in Betreuung geben und, dass es im Gegensatz zu Wien oder anderen großen Städten gar nicht genug Betreuungsplätze gibt. Dafür gibt es zig Ausreden wie „Wir haben zu wenig Kinder“ oder „Die Eltern wollen das gar nicht“. Wenn ich keine Plätze anbiete, dann darf ich mich nicht wundern. In Österreich geben wir aktuell 0,67 Prozent des BIP für diesen Bereich ausgeben. Der EU-Schnitt liegt bei einem Prozent.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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