Angst vor dem europäischen Wolf: Schützen oder schießen?

Politik

An die tausend Wölfe leben wieder in den Alpen. Die wachsende Population beschäftigt auch das EU-Parlament.

Der Wolf macht keinen Unterschied – ob österreichisches Schaf oder deutsches Pony. Anfang September wurde „Dolly“, das dreißigjährige Kleinpferd von EU-Kommissionspräsidention Ursula von der Leyen, auf der familieneigenen Weide nahe Hannover vermutlich von einem Wolf gerissen.

Doch schon Hunderte, auf heimischen Almen getötete Schafe zuvor hat ein hochemotionaler Streit sogar das Europäische Parlament in Straßburg erreicht: Soll der strenge Schutz für Wölfe in Europa gelockert werden oder nicht? Oder anders gefragt: Dürfen künftig einige der Raubtiere geschossen werden, so wie es etwa bei Gämsen oder Steinböcken der Fall ist, die unter bestimmten Umständen einer Herde entnommen werden dürfen?

EPA/SASCHA STEINBACH

Rund 17.000 Wölfe gibt es laut WWF in Europa. 2022 starben in Österreich ca. 1.200 Nutztiere durch Wolfangriffe.

„Der Wolf ist keine vom Aussterben bedrohte Tierart mehr“, sagt EU-ÖVP-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer. Rund 17.000 Wölfe gibt es laut Umweltschutzorganisation WWF in Europa. In den Alpen dürften es davon rund tausend Tiere sein. Ihre Population wächst, und „die Schäden für die heimische Alm- und Weidewirtschaft wachsen im Gleichschritt mit“, beklagt die EU-Abgeordnete aus der Steiermark.

Alleine in diesem Jahr seien bereits rund 1.200 Nutztiere in Österreich durch Wolfangriffe getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet worden. „Niemand will den Wolf ausrotten“, beharrt Schmiedtbauer, „aber Problemtiere sollen entnommen werden dürfen.“

„Bedienen nur Grimms Märchen“

Mit diesem Ziel hat die Europäische Volkspartei eine Resolution im EU-Parlament vorbereitet. Ihr sollen sich möglichst alle politischen Fraktionen anschließen, doch von den Grünen kommt dagegen entschlossener Widerstand. „Diese Resolution bedient nur Grimms Märchen“, ärgert sich Thomas Waitz, „mit Angst und Panikmache kommen wir nicht weiter, so können wir nicht Naturschutz betreiben.“

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Besonders problematische Wölfe dürften schon jetzt, allerdings nur in ganz seltenen Ausnahmen, geschossen werden, führt der Grüne EU-Mandatar aus. Und auch die Annahme, dass die wachsende Wolfspopulation für den Menschen immer gefährlicher werde, weist Waitz zurück: „In ganz Europa gab es bisher 14 Verletzungen, aber keinen einzigen tödlicher Wolfsangriff gegen Menschen.“

Kurier/Juerg Christandl

Thomas Waitz, Abgeordneter der Grünen im EU-Parlament.

Seit 30 Jahren gilt für alle EU-Staaten die sogenannte Habitat-Richtlinie. Darin ist der Wolf als „streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse“ gelistet. Das bedeutet: Fangen oder gar Töten ist verboten. Genau diese Richtlinie solle nun geändert werden, fordert auch das österreichische Landwirtschaftsministerium.

Doch diese Lockerung gilt als eher unwahrscheinlich: Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie kann nur einstimmig im Rat der 27 EU-Regierungen geändert werden. Mit seiner Resolution will das EU-Parlament daher zunächst möglichst großen Druck auf die Kommission erzeugen, um sich der Wolfsproblematik einmal anzunehmen.

Waitz und die Grünen sehen andere Möglichkeiten, um Almtiere und Bauern vor Verlusten besser zu schützen: „Mehr Behirtungen, mehr Hirtenhunde und umfangreicheres Einpferchen.“ Die finanziellen Mittel dafür wären leicht aus den Agrarförderungen der EU zu holen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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