Atombomben: So gefährlich sind die „Mini-Nukes“

Politik

Regelmäßig droht Russlands Präsident Wladimir Putin mit einem nuklearen Einsatz. Oft wird in „taktische“ und „strategische“ Atomwaffen eingeteilt. Warum das mit Vorsicht zu sehen ist.

„Im Falle einer Bedrohung der territorialen Integrität unseres Landes und zur Verteidigung Russlands und unseres Volkes werden wir mit Sicherheit von allen uns zur Verfügung stehenden Waffensystemen Gebrauch machen. Dies ist kein Bluff“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch und drehte damit erneut an der Eskalationsschraube. Die wiederholte Drohung eines Atomwaffeneinsatzes sowie die wahrscheinlich bald erfolgende Annexion der besetzten Gebiete in der Ukraine sollen den Westen davor abschrecken, die Ukraine weiterhin zu unterstützen.

Unabhängig davon, dass Putin sich mit einem Einsatz von Atomwaffen international weiter isolieren dürfte, beantwortet der KURIER die drängendsten Fragen zum Thema der nuklearen Bedrohung.

Angenommen, Putin will Atomwaffen einsetzen: Was wäre dafür notwendig?

Es gibt keinen roten Knopf, auf den man einfach draufdrücken könnte.

In Russland herrscht das „Drei-Koffer-System“. Die „Koffer“, das sind der des Präsidenten Wladimir Putin, der Verteidigungsminister Sergei Schoigus und der Generalstabschef Waleri Wassiljewitsch Gerassimows – in jedem der Koffer befinden sich Codes, die für den Befehl zum Atomwaffeneinsatz autorisieren. Für einen Atomschlag braucht es die Zustimmung von zwei der drei Kofferträger.

Wo wäre ein russischer Atomwaffeneinsatz wahrscheinlich?

Bis dato hat sich Russland seit dem Angriff auf die Ukraine in puncto Atomwaffen- und Drohungen an die Regeln gehalten, hat beispielsweise bei einem Test der Sarmat-Rakete, die Nuklearsprengköpfe tragen könnte, die USA darüber informiert, dass dies ein Test sei und kein Grund zur Beunruhigung herrsche. Folgt man der Logik der Verhältnismäßigkeit, wäre eine Atombombenzündung über dem Schwarzen Meer wahrscheinlich, um ein Signal der Abschreckung zu senden.

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Was ist der Unterschied zwischen strategischen und taktischen Atomwaffen?

Die durchaus schwammige Unterteilung wird in puncto Reichweite und Masse an Sprengkraft vorgenommen (s. Grafik). Unter diesen Gesichtspunkten wäre auch die Atombombe von Hiroshima mit einer Sprengkraft von fünfzehn Kilotonnen als taktische Atomwaffe zu klassifizieren – immerhin gilt auch eine Atombombe mit vielfacher Kraft noch als „taktisch“. Während eine Atommacht mit einer strategischen Atombombe einen Krieg präventiv verhindern oder beenden möchte, soll eine taktische Atombombe etwa zur Vernichtung feindlicher Verbände genutzt werden. Der wahrscheinlichste Einsatz wäre jener von „Mini-Nukes“.

Was sind „Mini-Nukes“?

Taktische Nuklearsprengköpfe mit Detonationswerten bis maximal fünf Kilotonnen. Die Bezeichnung klingt harmlos – doch das ist ein Irrtum. Eine „Mini-Nuke“ mit 0,5 Kilotonnen Sprengkraft würde einen 3,2 Kilometer hohen Atompilz verursachen. Im Radius von 670 Metern würden alle Lebewesen sterben. Neben der Vernichtung feindlicher Verbände wäre ein Einsatz dieser Waffen auch zur Deckung von Rückzügen – also dem Verzögern des Feindes – denkbar.

Verschossen können „Mini-Nukes“ mit allen möglichen Waffensystemen zu Wasser, zu Land und in der Luft werden.

Über welches Arsenal an taktischen Atomwaffen verfügt Russland?

Knapp 2.000 taktische Nuklearwaffen befinden sich in russischer Hand – über die Detonationsstärke gibt es allerdings wenig Informationen. Dass einige davon weniger als fünf Kilotonnen Sprengkraft besitzen, ist allerdings stark anzunehmen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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