Corona-Ampel der EU: „Von Realität schon überholt“

Politik

Beschluss in Luxemburg ist Empfehlung; Ministerin Edtstadler enthält sich; Österreich wäre überwiegend rot

Es ist nur eine Empfehlung, die die EU-Außen- und Europaminister heute in Luxemburg beschließen werden – weil Corona-Maßnahmen ja in der Kompetenz der Nationalstaaten liegen. Aber weil diese Maßnahmen und die ihnen zugrundegelegten Kriterien so unterschiedlich sind, will bzw. wollte die EU eine einheitliche Corona-Ampel über ganz Europa leuchten lassen . Also eine, die das Risiko einzelner Regionen einheitlich bewertet und etwa Reisewarnungen danach ausrichtet.

Auf der von der Europäischen Gesundheitsagentur erstellten Landkarte sollen vor allem die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner der letzten 14 Tage vermerkt sein, dazu die Rate der positiven Tests und die Testrate. Das komplizierte Berechnungssystem ginge von weniger als 25 positiven Tests/100.000 Einwohnern (grün) bis mehr als 50 Fälle und mehr als vier Prozent positiver Tests (rot).

APA/BARBARA GINDL

Karoline Edtstadler: System benachteiligt die, die treffsicherer und mehr testen

Österreich, das in diesen Berechnungen bis auf Kärnten, Burgenland und Steiermark rot wäre, enthält sich, so wie schon beim Beschluss der EU-Botschafter am Freitag (21 Pro-Stimmen), der Stimme. Sie sei „klar für eine bessere Koordinierung innerhalb Europas“, sagte Ministerin Karoline Edtstadler dem KURIER, allerdings stamme der Vorschlag vom September und sei von der Realität bereits überholt, sprich: die Schwellenwerte würden schon weitgehend übertroffen. „Wenn alle Staaten rot wären, ist keine differenzierte Einschätzung mehr möglich. Außerdem benachteiligt das System Staaten, die treffsicherer und mehr testen, und wo das Contact Tracing gut funktioniert.“ Auch eine Einigung bei der Quarantäne-Dauer sei notwendig.

Englische Ampel

  Viele Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag in Kabul

Unterdessen wollte der britische Premier Boris Johnson am Montagabend im Parlament ein neues Corona-Warnsystem für England enthüllen, um rasch steigende Fallzahlen zu bekämpfen – in Großbritannien werden aktuell mehr Patienten mit dem Coronavirus im Krankenhaus behandelt als kurz vor dem Beginn des kompletten Lockdowns am 23. März.

APA/AFP/JUSTIN TALLIS

Erneut strengere Bestimmungen in England

In der englischen Version der Corona-Ampel (Schottland plant eine ähnliche) sollen Regionen einer von drei Risikostufen – mittel, hoch, sehr hoch – zugeteilt werden. Auf der untersten gelten laut BBC die landesweiten Restriktionen, wie Maskenpflicht in Läden und Öffis, die 22 Uhr Sperrstunde für Restaurants, Pubs, Bars, und die Sechser-Regel, die Treffen nur mit maximal fünf anderen erlaubt.

Stufe 2 soll wahrscheinlich für Gegenden ab 100 Infektionsfällen pro 100,000 Einwohner innerhalb einer Woche gelten, was laut Berichten Teile von, oder sogar ganz, London treffen würde. Hier wurde erwartet, dass Treffen mit Leuten aus anderen Haushalten nur mehr im Freien erlaubt werden.

Stufe 3 soll weitere Restriktionen für die am stärksten betroffenen Landesteile, oder solche mit besonders schnell steigenden Infektionsraten, bringen, etwa Nottingham (das die englische Liste der Neuinfektionen mit 830 pro 100,000 Leuten in einer Woche anführt) und Liverpool. Hier wird die Schließung von Fitnessstudios, Casinos, sowie Pubs und Bars erwartet.

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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