Corona-Skandal: Ischgl wusste früher Bescheid, schaute aber weg

Politik

Die Behörden bis hin zum Landeshauptmann hatten viel früher als bisher bekannt Hinweise darauf, dass der Corona-Ausbruch im Après-Ski-Lokal Kitzloch entstanden ist.

„Der einzige gemeinsame Ort, an dem wir am Freitag waren, war Ketzlock Après Ski.“ Viel deutlicher hätte der Hinweis auf das Kitzloch in Ischgl als möglicher Super-Spreaderort nicht mehr sein können. Offiziell ist bisher bekannt, dass eine isländischen Reiseleiterin am Freitagabend (6. März 2020) in einem Mail an die Polizeiinspektion Ischgl darauf hinweist, dass zehn coronainfizierte Urlauber aus ihrer Gruppe in dem Après-Ski-Lokal zu Gast waren. Das ist so sogar im offiziellen Ischgl-Bericht zu lesen.

Doch diese Darstellung dürfte wohl nicht alles sein, wie dem KURIER zugespielte neue Dokumente zeigen.

Demnach traf die oben genannte Information bereits am Donnerstagabend beim Tourismusverband Paznaun-Ischgl ein und wurde am Freitag in der Früh weiter geleitet – an das Büro von Tirols Landeshauptmann Günther Platter, den Landesamtsdirektor und das Büro für Öffentlichkeitsarbeit.

Gemeinsam im Kitzloch

Spätestens am Freitag hätte man das Kitzloch also schließen können. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 14 Fälle isländischer Ischgl-Urlauber, die nach ihrer Rückkehr in die Heimat positiv getestet wurden. Die Personen wohnten in unterschiedlichen Hotels, zumindest zehn der Erkrankten waren im Kitzloch, wie durch das Mail bekannt sein sollte.

Spätestens Freitagmittag müssten die Tiroler Behörden dann auch wissen, dass die Theorie einer Infektion der Isländer im Flugzeug nicht haltbar sein kann. Da liegt den Verantwortlichen eine Liste mit allen Namen der Isländer vor, aus der ersichtlich wird: Die Infizierten reisten an unterschiedlichen Tagen und hatten teilweise schon in Ischgl Symptome. Das Kitzloch öffnet dennoch am Freitagabend wieder seine Pforten. Im Mega-Infektionsherd geht die Party weiter. Unter den Gästen ist ein 65-jähriger Elektronikfachmann. Er erkrankt so schwer, dass er heute unter Long Covid leidet. Zuvor lag er sechs Wochen im Koma auf der Intensivstation.

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Von der Gefahr, der sich die Feiernden an diesem Abend aussetzten, wussten sie nichts. Die Behörden spielten weiter die Karte von der Ansteckung im Flugzeug. Genauso wurde es auch über die Öffentlichkeitsarbeit verbreitet. Bereits bekannt ist, dass der für Ischgl zuständige Landecker Bezirkshauptmann Markus Maaß sich in einer Mail an Landesamtsdirektor Herbert Forster am 5. März zunächst erfreut über die Flugzeugthese zeigte: „Dann hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld.“

Wie die dem KURIER vorliegende Dokumente zeigen, hat Maaß auch bei einem in der zu Ischgl benachbarten Arlberg-Skiegion an jenem Donnerstag entdeckten Coronafall bemerkenswerte Ansätze. Er ärgert sich in einem anderen Mail an Forster, dass die Tirol Werbung im Gegensatz zur Landespressestelle den betroffenen Ort nennt. „Wir versuchen den Ball flach zu halten … und die Tirol Werbung schreibt Untenstehendes“, macht Maaß seinem Ärger Luft.

Er erklärt das in einer Stellungnahme gegenüber dem KURIER damit, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen sei, „welche Details eines Einzelfalls aus datenschutzrechtlichen Grünen veröffentlicht werden dürfen“. Maaß wird wie der Landesamtsdirektor und drei weitere Personen in der Causa als Beschuldigter geführt.

Erhebung verschoben

Was die Dokumente ebenfalls zeigen. Als die Polizei in Ischgl unabhängig vom Tourismusverband am Freitagabend den „Kitzloch“-Hinweis erhält, wird sie offenbar tätig. Ein Beamter schreibt um 19.40 Uhr in einem Mail an die Bezirkshauptmannschaft, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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