Das blutige Vermächtnis Osama bin Ladens

Politik

Zehn Jahre nach dem Tod des Terroristen ist die Welt keineswegs sicherer geworden. Statt einer großen islamistischen Terrororganisation gibt es zwei – und deren Einfluss reicht von den Philippinen bis Westafrika.

„Wir haben ihn.“ Jubel in New Yorks Straßen, Racheschwüre aus der radikal-muslimischen Welt. Die Erschießung Osama bin Ladens vor zehn Jahren war für US-Präsident Barack Obama „die wichtigste Errungenschaft im Streben unserer Nation, El Kaida zu besiegen“. Dennoch mahnte er, dass dies nicht das Ende sei. Er sollte recht behalten.

Denn noch heute verfügt die Terrororganisation über ein weltweites Netzwerk, findet Zulauf, baut seinen Einfluss aus. Und hat einen harten Konkurrenten.

Drei Jahre nach dem Tod bin Ladens erschütterten Videos von Enthauptungen die Welt. Männer mit schwarzen Sturmhauben, die Frauen, Kinder, Zivilisten töten, weil sie nicht an denselben Gott glauben. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) trat aus dem Schatten, errichtete binnen kurzer Zeit ein Kalifat, das mit mehr als 100.000 Quadratkilometern Österreich an Fläche übertraf.

Veränderter Terror

Hatte die Tötung bin Ladens also überhaupt einen positiven Effekt? „Die Welt ist dadurch nicht sicherer geworden. Es hat zwar kurzfristig zu einem Rückgang der Terroranschläge geführt, aber vor allem zu einer Veränderung des dschihadistischen Terrors“, sagt Generalmajor Johann Frank, Leiter des Instituts für Friedensforschung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie.

„Terrorismus passt sich immer den Gegebenheiten an. Die Motivation, sich einer Terrorgruppe anzuschließen, war nach bin Ladens Tod weniger von einer starken Führungsperson abhängig, sondern mehr vom Anhänger, der gegen eine vermeintliche Benachteiligung kämpfen wollte.“

„Graswurzelbewegung“

Daran war der IS nicht unbeteiligt. Während El Kaida als Organisation islamistischer Eliten gegründet worden war, versteht sich der IS als „Graswurzelbewegung“, als Möglichkeit, gegen „die Ungläubigen da oben“ zu kämpfen. Egal ob schiitische, christliche oder laizistische Regierungen – alles ist der Feind. Sogar El Kaida selbst. Bin Ladens Nachfolger als Chef der Organisation, Ayman al-Zawahiri, war machtlos, als sich der IS vom Irak nach Syrien ausbreitete und sich von El Kaida lossagte.

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Dafür gab es viele Gründe, unter anderem weil Zawahiri von Beruf Arzt und kein Islamgelehrter ist. Für den IS als Anführer inakzeptabel. Tatsächlich sieht sich die Terrororganisation – zumindest in ihrer Werbung – als den echten Nachfolger bin Ladens an. In puncto „Öffentlichkeitsarbeit“ ist sie es definitiv.

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Ließ bin Laden seine Botschaften noch über Fernsehsender wie Al Jazeera ausstrahlen, eroberte der IS mit martialischen Videos, Fotos und Hochglanzmagazinen die sozialen Netzwerke – und radikalisierte auch in Europa Tausende junge Menschen, die ihre Familien verließen und sich dem IS anschlossen.

Wie stark die Propaganda des IS ist, zeigte sich nach dem Terroranschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Beide Täter bekannten sich zur El Kaida im Jemen, doch die meisten assoziieren die Tat mit dem „Islamischen Staat“.

Weitere Anschläge erschütterten Europa, rückten den islamistischen Terror in den gesellschaftlichen Fokus, während das „Kalifat“ sowohl durch westliches und russisches Militär als auch schiitische Milizen zerstört wurde. „Dieser Sieg am Feld und eine deutlich verbesserte internationale Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten sind sicher als größere Errungenschaft zu bewerten als bin Ladens Tod“, analysiert Frank.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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