Deutschland wählt: Kann Laschet noch das Ruder umreißen?

Politik

Beim zweiten Fernseh-„Triell“ setzte der CDU-Mann weiter auf Angriff – ob die Trendwende gelingt, ist sehr ungewiss. Ihm stehen zwei schwierige Wochen bevor.

Es hat gekracht. Gleich zu Beginn wird es im Fernsehstudio laut. Irgendetwas dürfte runtergefallen sein. Auch zwischen Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne), die sich dort im „Triell“ von ARD und ZDF gegenüberstanden, sollte es noch rumpeln. Laschet gab den Angreifer und versuchte, den über den Dingen schwebenden Scholz in die Mangel zu nehmen. Eine Art Auftrag der eigenen Leute, denen Laschet lange zu „onkelig“ war.

Von allen drei stand er am Sonntag unter besonders strenger Beobachtung. 95 Minuten Sendezeit – so lange hatte er, um vor knapp 11 Millionen Zusehern die „Trendwende“ einzuläuten. Diese Maßstäbe hatte ihm die bayerische Schwesterpartei CSU gesetzt. Es sei die „letzte Chance“, tönte sein Rivale um die Kanzlerkandidatur, Markus Söder, vor dem Wochenende. nach diesem schrieb er auf Twitter etwas von „Punktsieg“ und „einer Trendwende“.

Ob diese wirklich gelingt, wird sich in den nächsten zwei Wochen zeigen, spätestens am 26. September. Die ersten Zahlen sprechen nach dem TV-Schlagabtausch mit Scholz und Baerbock sprechen jedenfalls gegen Laschet. Die Mehrzahl der befragten Zuseher kürten den SPD-Mann zum Gewinner des „Triells“. 41 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap fanden ihn am überzeugendsten. Laschet kam bei den Zusehern auf 27 Prozent der Befragten, Baerbock fanden 25 Prozent am überzeugendsten.

Laschet, so viel bleibt vom Abend übrig, hat es immerhin versucht. Er konfrontierte Scholz mit der Linkspartei, die der SPD-Kandidat für eine Koalition nicht dezidiert ausschließt. Und er sprach dessen Rolle im Finanzskandal Cum-Ex und Wirecard an, ebenso die Ermittlungen gegen die Antigeldwäschebehörde. Im Zuge dessen schaute nämlich die Staatsanwaltschaft in Scholz’ Finanzministerium vorbei. Tatsächlich war es Laschet gelungen, den Hanseaten aus der Reserve zu locken. Wie das erste Urteil der „Triell“-Zuseher zeigt, hat es ihm aber (noch) nicht richtig geschadet. In den Umfragen der vergangenen Wochen hatte Scholz‘ SPD den Vorsprung auf 25 Prozent ausgebaut und liegt sechs Punkte vor der Union.

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Was wird aus Laschet?

Im politischen Berlin fragen sich viele daher vorsorglich: Was wird aus Laschet? Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, und es nicht für das Kanzleramt reichen, ist fraglich, ob er weitermachen kann. Dazu geistern mehrere Szenarien umher. Etwa, dass Laschet als Zweitplatzierter alles dransetzen wird, um doch eine Jamaika-Koalition mit Grüne und FDP zusammenzubasteln. Andernfalls könnte er zwecks Machterhalt als Juniorpartner regieren – an der Seite von SPD und FDP. Diese Aussicht dürfte für die Abgeordneten nicht gerade prickelnd, aber ihnen lieber sein, als auf der Oppositionsbank zu landen.

Sollten sich Grüne und SPD näher stehen – diesen Eindruck hatte man beim Triell bei mehreren Themen – und sie einen anderen Dritten finden, wird es für die Union bitter. Ob die Abgeordneten dann Laschet, der die Wahl vergeigt hat, zum Oppositionsführer küren, ist ungewiss. Unter ihnen haben sich viele Söder gewünscht, da er ihre Jobs am ehesten sichere. Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob Laschet in den Bundestag einziehen kann. Er hat auf eine Direktkandidatur in seinem Aachener Wahlkreis …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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