Die Stadt, aus der Frankreichs nächster Präsident kommen könnte

Politik

Le Havre: Hässliches Entlein, stolze Stadt. Bürgermeister Edouard Philippe ist der Star hier – mit Ambitionen auf das Präsidentenamt

Normalerweise erhält der Bürgermeister von Le Havre angenehmeren Besuch: Abordnungen aus Bezirken, Innungsmeister, Politiker, Petenten. Doch Mitte der Woche klopfte in seinem Büro und an seinem Wohnsitz in die Polizei an: Hausdurchsuchung bei Edouard Philippe, dem Premierminister Frankreichs bis Anfang Juli. Die Regierung war nämlich von Ärzteverbänden, Infizierten und anderen Betroffenen wegen schlechten Corona-Krisenmanagements angezeigt worden. Die Ermittlungen laufen.

Viel rauskommen wird wohl nicht, und Edouard Philippe kann sich auf seine Ziele konzentrieren: Als alter und neuer Bürgermeister die Hafenstadt weiter erblühen zu lassen. Und mit diesem Wind im Rücken 2022 in den Élysée-Palast zu segeln und Emmanuel Macron abzulösen, der ihn als Premier loswerden musste, weil er ihn zu überstrahlen drohte.

APA/AFP/SAMEER AL-DOUMY

Edouard Philippe, Bürgermeister, Premier, Bürgermeister – und Präsident?

Die Stadt aus Beton

Die graue Stadt in der Normandie, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört worden war, wurde nach den Plänen von Architekt Auguste Perret in einzigartiger, aber auch eintöniger Weise mit Beton wiederaufgebaut. Le Havre wurde entweder als hässlich oder als schön empfunden, sowohl von Außenstehenden als auch von den Einheimischen selbst, erzählt Rodolphe Derrey. Er hat Zeit seines Lebens in der Stadt am Ärmelkanal gelebt. Rodolphe ist Mitte zwanzig, hat Geschichte studiert und arbeitet in einer Schule. Viel sei hier geschehen in den letzten Jahren, meint er.

APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Immer mehr Kunstinstallationen in der Stadt

Damit spricht er nicht nur an, dass Le Havre im Jahr 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Wenn man durch die Straßen schlendert, hat man das Gefühl, in einer jungen, aufstrebenden und vitalen Stadt gelandet zu sein. Man entdeckt kleinere und größere Kunstwerke und Installationen, sieht viele junge Menschen auf ihren Skateboards, Familien und Paare im Außenbereich (Corona!) von Restaurants oder – im Sommer – am Weg zum Strand. Bis vor einigen Jahren war das Bild noch ein gänzlich anderes.

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„Doudou“

Viele dieser Veränderungen fallen in die Amtszeit von „jetzt wieder“ Bürgermeister Edouard Philippe. „Doudou“, wie Frankreichs ehemaliger Premierminister hier genannt wird, ist in Le Havre in der Region Seine-Maritime politisch groß geworden. Philippe gelangte im Jahr 2001 über den langjährigen Bürgermeister von Le Havre, Antoine Rufenacht, in die Politik und wurde prompt sein Stellvertreter, bevor er im Jahr 2010 die Nachfolge als Bürgermeister der Hafenstadt antrat. Bis Emmanuel Macron ihn 2017 in die Regierung holte, machte sich der bürgerlich-rechte Politiker in Le Havre bereits einen Namen.

„Le Havre galt lange als gescheitert“, sagt Rodolphe. Wenig Arbeit und eine Stadt, die nicht als „schön“ gilt – viele wollten einfach weg. Rufenacht und sein Nachfolger Philippe hätten viel für die Stadt getan, sie weiterentwickelt und modernisiert. Und am Wichtigsten: der Stadt und den Einwohnern eine Identität gegeben. Havrais, wie die lokale Bevölkerung genannt wird, hätten dadurch Stolz für ihre Heimatstadt entwickelt. Es entstanden touristische Shops, aber nicht, wie man meinen könnte, für Touristen. „Als der Shop mit „Le Havre“-Shirts eröffnet hat, haben vor allem Einheimische Merchandise gekauft“, sagt Rodolphe. Und tatsächlich sieht man auf den Straßen, in Einkaufszentren und Supermärkten sowohl alte als auch junge …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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