Ein Alt-Hippie strebt in Kenia nach Macht

Politik

Wajackoyah war Priester, Polizist, Totengräber. Jetzt will er Präsident werden und mit Marihuana- und Hyänenhoden-Export den Schuldenberg Kenias abtragen.

Schlangengift will er professionell abzapfen lassen – und dann auch ins Ausland verkaufen. Hyänenhoden und Hundefleisch will er ebenso als Exportschlager etablieren (weil die Chinesen darauf „abfahren“), genauso wie Marihuana. Einen Joint rauchen – das wäre auch seine erste Amtshandlung als Präsident Kenias. Und um genau diesen Job bewirbt sich Professor George Wajackoyah bei dem Urnengang kommenden Dienstag.

Der Jurist, der ein wenig an einen Alt-Hippie erinnert, wird zwar mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in den Präsidentenpalast einziehen – in Umfragen liegt er zwar an dritter Stelle, dies aber bei mageren vier Prozent. Aber er könnte viele Proteststimmen der knapp 54 Millionen wahlberechtigten Kenianer sammeln – vor allem jene der jungen, die auf schnelle Lösungen für drängende Probleme hoffen.

APA/AFP/SIMON MAINA

Wajackoyah grüßt auf Kundgebungen nicht nur durch das geöffnete Autofenster, er stellt sich barfuß aufs Dach und  tanzt mit der Menge.
 

Den etablierten Kandidaten würde er damit gehörig in die Suppe spucken und sie möglicherweise in eine Stichwahl zwingen. Von den alten Eliten haben viele ohnehin die Nase voll: Raila Odinga, 77, Sohn eines früheren Premiers, geht schon zum fünften Mal ins Rennen; William Ruto, 55, ist derzeit Vize-Präsident.

Tausendsassa

George Wajackoyah ist der absolute Gegenentwurf, der klassische Quereinsteiger, dessen Vita viele in Kenia elektrisiert: Geboren vor 61 oder 62 Jahren – so genau weiß man das nicht – in den Slums der Hauptstadt Nairobi, landete er als Straßenkind in der Gosse. Gerettet wurde er von der Hare-Krishna-Gemeinschaft. Er lebte in deren Tempel und wurde Priester, später Polizist. Als er diesen Job zu ernst nahm und zum Tod eines Außenministers zu genau recherchierte, wurde er verhaftet und gefoltert.

  Opposition drängt auf Cofag-Kontrolle

Nach Interventionen britischer Medien und der Hilfe der US-Botschaft gelangte Wajackoyah als Flüchtling nach Großbritannien. Er begann ein Jusstudium, das er sich unter anderem als Leichenwäscher und Totengräber finanzierte. Nach Tätigkeiten in mehreren Kanzleien, darunter auch in den USA, kehrte der Anwalt 2010 in seine kenianische Heimat zurück – um jetzt in die Politik einzusteigen.

Kenias Schuldenberg von 70 Milliarden Euro will er schnell abtragen – unter anderem eben mit dem Verkauf von „Ganja“ (Marihuana), dessen globaler Umsatz laut Experten bis 2028 auf 70 Milliarden Dollar steigen soll. Über die Marktaussichten für Hyänenhoden gibt es dagegen noch keine gesicherten Daten.

Neben diesen Wahlkampf-Schlagern hat George Wajackoyah auch noch andere Kracher in seinem Zehn-Punkte-Programm, wie etwa die Vier-Tage-Arbeitswoche und die Abschiebung „fauler“ Ausländer. Und – wie die anderen Kandidaten ebenso – die Bekämpfung der Korruption, zu der der Jurist einmal meinte: „Wenn du in Japan korrupt bist, begehst du Selbstmord, in China wirst du vor Gericht gestellt und dann aufgehängt, in Europa gehst du ins Gefängnis, aber in Kenia kommt ein korrupter Politiker ins Parlament.“

Todesstrafe

In diesem Zusammenhang sprach sich der frühere Hare-Krishna-Priester für die Wiedereinführung der Todesstrafe aus: Überführte und verurteilte Korruptionisten sollten sich aussuchen können, ob sie lieber von einem Exekutionskommando erschossen werden oder doch den Tod durch den Strick bevorzugen. Als Henkersmahlzeit stünde ihnen zumindest noch das Nationalgericht Ugali zu, ein trockener …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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