„Es müsste nur so rumsen“: Sigmar Gabriel verrät seine Favoriten für SPD-Parteivorsitz

Politik

Als Sigmar Gabriel entmachtet wurde, jubelten viele in der SPD: Endlich ein Neuanfang! Doch seine Nachfolgerin Andrea Nahles scheiterte schnell. Die Partei, sagt ihr alter Vorsitzender, müsse eine neue Lektion lernen. Das Problem der Sozialdemokraten liege weniger an Personen als an der unklaren Richtung. Das Gespräch führten Andreas Niesmann und Matthias Koch.

Herr Gabriel, Sie waren von 2009 bis 2017 SPD-Vorsitzender. Wie haben Sie diese acht Jahre eigentlich allein ausgehalten, ganz ohne Doppelspitze?
Sigmar Gabriel: Och, ich hatte damals vom ersten Tag an jede Menge Leute im SPD-Vorstand, die sich für die besseren Vorsitzenden hielten. (lacht) Aber mal ganz im Ernst: Wussten Sie, dass die SPD tatsächlich die Erfinderin der Doppelspitze war? Wir waren die erste Partei in der deutschen Geschichte, die zwei gleichberechtigte Vorsitzende hatte. Allerdings aus anderen Gründen als heute. Im Kaiserreich und in der Weimarer Republik hatten wir zwei Vorsitzende, weil es die permanente Angst gab, dass einer verhaftet würde.

Heute treiben offenbar Ängste anderer Art Sozialdemokraten um, etwa die Angst, dem Publikum nicht zu gefallen. Ständig treten ein Mann und eine Frau gleichsam Hand in Hand auf die Bühne, wie bei den Grünen.
Gabriel: Heute kandidieren in der Tat einige als Doppelspitze, die das noch vor nicht allzu langer Zeit für absurd erklärt hatten. Man sieht also: Es kommt immer auf die Umstände an. Als vor vier Jahren die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen eine Doppelspitze vorschlug, war ich der Einzige in der SPD-Parteiführung, der das ganz gut fand.

Heute findet das angeblich die gesamte Parteibasis super. Aus dem Willy-Brandt-Haus jedenfalls heißt es, die Mitglieder hätten sich in Hunderten von Rückmeldungen genau dieses Verfahren gewünscht.
Gabriel: Es haben sich etwas mehr als 20.000 Mitglieder gemeldet, von denen ein Teil die Doppelspitze gut fand. Wie die anderen 420 000 Mitglieder denken, werden wir am Ende des Prozesses sehen. In jedem Fall haben alle, die da jetzt kandidieren, Respekt für ihren Mut verdient.

Mut, sich für eine unmögliche Mission zu melden?
Gabriel: Zurzeit scheint es so, als komme es nur darauf an, die richtigen Personen zu finden. Das ist nicht unwichtig, aber am Ende zu wenig. Wenn fast alle sozialdemokratischen Parteien in Europa das gleiche Problem haben, dann kann es nicht nur an Personen liegen. Ich staune deshalb ein bisschen darüber, dass es trotz der wirklichen Existenzkrise der Sozialdemokratie auch bei der aktuellen Kandidatenkür keine wirkliche programmatische Kontroverse und keinen Streit…Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung …read more

Source:: Berliner Zeitung – Politik

      

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