EU-Reaktion auf Erdogan: Tusk spricht von versuchter „Erpressung“

Politik

Türkischer Präsident drohte wegen Kritik an der Offensive in Nordsyrien mit einem Durchwinken von Flüchtlingen. Laut UN gibt es bereits mehr als 70.000 Vertriebene.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Erpressungsversuch vorgeworfen, nachdem dieser den Europäern wegen ihrer Kritik an der türkischen Offensive in Nordsyrien mit einer Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge gedroht hatte.

Die EU werde „niemals akzeptieren, dass Flüchtlinge zu Waffen gemacht und benutzt werden, um uns zu erpressen“, sagte Tusk am Freitag bei einem Besuch beim EU-Mitglied Zypern.

„Daher betrachte ich die Drohungen von Präsident Erdogan gestern als völlig verfehlt“, sagte Tusk. Die Türkei müsse verstehen, dass die Hauptsorge der EU sei, dass die türkische Offensive „zu einer weiteren humanitären Katastrophe führt“. Die Türkei hatte am Mittwoch eine lange angedrohte Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien gestartet. Bei den EU-Staaten stieß dies auf breite Kritik.

Erdogan drohte den EU-Staaten daraufhin, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen, sollten sich die EU-Staaten nicht mehr zurückhalten. „Wenn ihr unsere Operation als Invasion darzustellen versucht, ist unsere Aufgabe einfach: Wir werden die Türen öffnen und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen“, sagte Erdogan bei einer Rede in Ankara. Er hatte schon zuvor mit der Öffnung der Grenzen gedroht, sollte die EU die Türkei nicht mehr unterstützen

UNO: Bereits mehr als 70.000 Vertriebene durch Offensive

Seit Beginn der türkischen Offensive in Nordostsyrien sind nach Angaben humanitärer UN-Organisationen innerhalb von 48 Stunden mehr als 70.000 Menschen vertrieben worden. Die meisten Menschen seien aus den Regionen Ras al-Ain und Tall Abjad geflüchtet, berichtete das UN-Welternährungsprogramm (WFP) am Freitag in Genf.

Das UN-Menschenrechtsbüro berichtete über „verstörende Berichte“ von Bodenangriffen türkischer Truppen oder von Gruppen, die dem türkischen Militär nahestünden.

Es seien unter anderem die Wasserversorgung, Dämme, Kraftwerke und Ölfelder getroffen worden, sagte ein Sprecher. Nach einem türkischen Luftangriff sei nach Berichten die Wasserversorgung in der Region Aluk zusammengebrochen. In Al-Raqqa hätten die lokalen Behörden vier Zentren für Vertriebene eingerichtet, berichtete das WFP.

„Die Militäroperationen in Nordostsyrien dürften die bereits sehr angespannte humanitäre Situation noch verschärfen“, warnte Najat Rochdi, im Büro des UN-Syrien-Beauftragten zuständig für humanitäre Fragen. Alle appellierten an die Akteure vor Ort und Regierungen, die Einfluss auf sie haben, Zivilisten zu schützen.

Einen ähnliche Appell veröffentlichte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Sie rief am Freitag in einer Stellungnahme alle Kriegsparteien dazu auf, den Schutz von Zivilisten, Gesundheitspersonal und Patienten zu gewährleisten. Die Eskalation der Gewalt könne „das Trauma“, dass die syrische Bevölkerung in Jahren des Krieges schon erlitten habe, nur verschlimmern.

MSF berichtete, dass das von ihnen unterstützte Krankenhaus in der syrischen Grenzstadt Tall Abjad geschlossen worden sei, weil der größte Teil der Angestellten mit ihren Familien die Stadt verlassen habe. Tall Abjad nahe der türkischen Grenzstadt Akcakale ist ein Hauptfokus der türkischen Offensive. „Als das einzige öffentliche Krankenhaus in der Gegend war das Tall-Abjad-Krankenhaus sehr wichtig für die Gesundheitsversorgung der Stadt und des Umlands“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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