Festspiele trotz Corona: „Ich will nicht, dass wir uns aufgeben“

Politik

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer über die Festspiele, die Corona-Ampel und seine politische Zukunft.

Die Infektionszahlen steigen wieder, in den Tourismusgebieten poppt ein Cluster nach dem anderen auf. St. Wolfgang, St. Gilgen, Strobl – die Hotspots sind nicht weit von der Stadt Salzburg entfernt.

Dort wurden am Samstag die Salzburger Festspiele eröffnet. Sie finden in reduzierter Form, mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen und ohne großen Promi-Aufmarsch statt. Die Entscheidung ließ im Frühjahr lange auf sich warten, in der Kulturszene wird sie aber als positives Signal gewertet: Das Leben geht weiter – trotz Corona-Gefahr, die allgegenwärtig scheint.

Der KURIER hat darüber mit Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) gesprochen.

KURIER: Herr Landeshauptmann, im Lichte der aktuellen Entwicklungen: War es die richtige Entscheidung, die Salzburger Festspiele stattfinden zu lassen?

Wilfried Haslauer: Ja, unbedingt. Es war immer klar, dass es wieder mehr Fälle gibt, wenn die Grenzen geöffnet werden. Aber die Entwicklung ist linear, nicht exponentiell, und die Gesundheitsbehörden haben mittlerweile mehr Routine als zu Beginn der Krise. Die Kernaufgabe ist jetzt, die Infektionsketten zu unterbrechen – und das gelingt gut. In St. Wolfgang war nur ein Gast infiziert. Es ist also gelungen, das Virus nicht von den Mitarbeitern überspringen zu lassen.

Anders gefragt: Wären Sie nicht Landeshauptmann, würden Sie als Privatmann heuer die Festspiele besuchen?

Ja. Ich gehe ja auch jetzt aus persönlicher Neigung, und ich fühle mich dort sicher. Wir haben ein erstaunlich detailliertes und durchdachtes Sicherheitskonzept.

Festspielzeit ist aber immer auch die Zeit der Society-Events, der Partys. Haben Sie Sorge, dass sich im Nachtleben ein Cluster bildet?

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Das gesellschaftliche Geschehen wird heuer nicht in der Form stattfinden, wie wir es gewohnt sind. Das Gesundheitsamt der Stadt überlegt, die Sperrstunde vorzuverlegen. Die Betriebe in der Altstadt sind freiwillig bereit, ihr Servicepersonal wieder Masken tragen zu lassen. Es gibt ein sehr gutes Zusammenwirken mit allen, die rund um die Festspiele tätig sind.

Sind die Festspiele so gesehen ein Testballon für andere Großveranstaltungen?

Das sehe ich nicht so. Salzburg ist ohne Festspiele nicht vorstellbar, und Salzburg bekennt sich zu den Festspielen – bei aller Vorsicht und mit viel Verantwortungsbewusstsein. Wir haben alle einen Beitrag zu leisten, damit es gelingt. Man weiß nie, wie es ausgeht, aber so ist das im Leben.

Eine gewisse Nervosität schwingt also mit. Unter diesen Bedingungen – freut man sich da überhaupt darauf?

Wir leben jeden Tag „in der Lage“, wie man beim Militär sagt. Man weiß in der Früh nicht, was bis zum Abend passiert. Aber wenn wir nicht bereit sind, Dinge, die unsere Gesellschaft ausmachen – und dazu gehören kulturelle Veranstaltungen – zuzulassen, dann geben wir uns selbst auf. Und ich will nicht, dass wir uns aufgeben. Ich will, dass wir vorwärtsgehen. Dazu gehört Optimismus – kein blinder, sondern gut fundierter.

Wird dieser Optimismus auch von der Bevölkerung mitgetragen?

Als die Entscheidung getroffen wurde, die Festspiele stattfinden zu lassen, gab es ein Aufatmen in der Bevölkerung. Das war ein wichtiges Signal, das weit über die Kulturszene und Salzburg hinausgeht. Es gibt ein großes Bedürfnis zur Rückkehr unserer gewohnten Lebensqualität, die wir in Salzburg in besonderer Weise haben.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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