Finales Urteil gegen Ratko Mladić als Ende eines Kapitels

Politik

Der des Völkermordes angeklagte ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladić, wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Mladić war lange einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher.

Es war die letzte Chance für den „Schlächter des Balkans“, als freier Mann seinen Lebensabend zu verbringen. Heute wurde der Urteilsspruch gegen den 78-jährigen Ratko Mladić vom UN-Tribunal in Den Haag bestätigt. Mladić, der erst 16 Jahre nach Kriegsende gefasst worden war, gilt als einer der Hauptschuldigen der Verbrechen im Bosnienkrieg (1992-1995) – dazu gehören die jahrelange Belagerung Sarajevos mit über 10.000 Toten und die Verfolgung und Vertreibung von bosnischen Muslimen und Kroaten, sowie die Geiselnahme von UN-Soldaten.

REUTERS/POOL16 Jahre gesucht

Der endgültige Urteilsspruch folgte heute, zehn Jahre nach seiner Verhaftung. Als es kaum noch jemand für möglich gehalten hatte, schlug der serbische Geheimdienst am 26. Mai 2011 zu. Damals wurde in Lazarevo in der nordserbischen Vojvodina ein Mann verhaftet, der später mittels DNA-Analyse zweifelsfrei als Ratko Mladić identifiziert werden konnte.

Serbien war lange vorgeworfen worden, dass es dem früheren General, der seit 1995 des Völkermordes und anderer Kriegsverbrechen angeklagt war, Unterschlupf gewährt oder ihn zumindest nicht genau genug gesucht zu haben. Der UN-Chefankläger Serge Brammertz, begründete das zuletzt in einem Interview mit der deutschen Welt so: “ Karadžić und Mladić konnten sich lange frei bewegen, fuhren mit ihren Eskorten durch die Gegend. Mladić bekam in einem Fußballstadion stehenden Applaus. Nach einigen Jahren wuchs der Druck, und sie mussten untertauchen. Das Militär aber schützte sie noch immer.

Trotz der Anklage des UN-Tribunals gegen Ratko Mladić wegen Völkermordes und der Belagerung Sarajevos hatte der frühere General zunächst bis 2000 ungestört in seiner Villa im Belgrader Nobelviertel Košutnjak gelebt. Als im selben Jahr Serbenführer Slobodan Milošević gestürzt wurde, tauchte er unter. Seine Frau beteuerte stets, dass ihr Mann schon lange tot sei.

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Berufung eingelegt

Ein langes Kapitel in der serbischen Geschichte ist mit dem Urteil von Dienstag abgeschlossen. 26 Jahre nach seiner ersten Anklage fällte das UN-Gericht in Den Haag damit sein endgültiges Urteil. Mladić hatte Berufung eingelegt, nachdem das erstinstanzliche Urteil des Gerichts im Jahr 2017 ihn zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Seine Verteidiger forderten, das erstinstanzliche Urteil aufzuheben. Für serbische Nationalisten galt der General lange noch als Held. Bis heute kann man T-Shirts oder andere Devotionalien mit dem Gesicht des Generals im Stadtzentrum von Belgrad ungehindert kaufen.

In Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska, einem Landesteil Bosnien-Herzegowinas, war am Tag des Urteils ein Pro-Mladic-Banner prominent platziert. „Wir akzeptieren die Entscheidungen von Den Haag nicht. Du bist der Stolz der Republika Srpska“, steht darauf.

Selbst vor dem Haager Tribunal hatte sich ein Mladić-Unterstützer eingefunden. Srebrenica-Aktivistinnen hatten sich dort ebenfalls versammelt, um auf das Urteil zu warten. Es sind die Mütter von getöteten Buben und Männern in Srebrenica.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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