Geheimniskrämerei um Anschobers Gesundheitszustand

Politik

Der Gesundheitsminister hat einen Schlüsseljob in der Pandemie. Gab er früher beredt Auskunft über sein Burnout, wird heute geschwiegen.

Selbstverständlich dürfen auch Minister krank sein, und man wünscht Rudolf Anschober aufrichtig gute Besserung.

Dennoch ist die Frage berechtigt, wie es um die Gesundheit des Ministers steht, denn Anschober hat in der Pandemie einen, wenn nicht den Schlüsseljob inne:

Mit seinen Verordnungen sperrt er ganze Wirtschaftszweige zu, er verhängt Ausgangssperren und erlässt Besuchsverbote, kurzum: Sein politisches Handeln beeinflusst unmittelbar und seit Monaten Milliarden Euro und die Grundrechte von Millionen Bürgern. Und nicht zuletzt ist der Gesundheitsminister zentral für das Impfen verantwortlich. Da ist es legitim zu fragen: Was fehlt ihm?

Immerhin fällt Anschober zum dritten Mal seit August aus, zum zweiten Mal binnen weniger Wochen. Zweimal war er bestätigt im Spital.

Ob er sich aktuell zu Hause oder im Krankenhaus auskuriert, war am Mittwoch aus seinem Umfeld nicht zu erfahren. Das sei Privatsache. Man kommentiere den Gesundheitszustand nicht. Anschober sei im Krankenstand und in ein paar Tagen wieder retour.

Transparent ist das nur bedingt. Als Anschober im März für eine Woche ausfiel, berichteten Kanzler- und Vizekanzlerbüro, der Minister sei sogar für sie tagelang nicht zu erreichen gewesen.

Und das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert und relevant: Erstens ist es in einer Krisensituation grundsätzlich ungewöhnlich, wenn der zentrale Krisenmanager längere Zeit nicht greifbar ist.

Und zweitens entspricht es eigentlich nicht dem, wie Anschober sein Amt ursprünglich angelegt hat: Als er Landesrat in Oberösterreich war und ein Burnout erlitt, sprach er überraschend offen über die Erkrankung und gab dazu Interviews.

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Seit dem Wechsel ins Ministeramt ist das anders. Als Anschober im August in Spitalbehandlung war, gab man erst eine Erklärung ab, als der Krankenhausaufenthalt des Ministers zu Gerüchten geführt hatte. Die offizielle Erklärung: „Es handelt sich um einen lange geplanten Gesundheitscheck.“ Ein Gesundheitscheck war auch im März der Grund für Anschobers Spitalsaufenthalt. Dem war eine Kreislaufschwäche vorangegangen.

Derzeit ist jedenfalls Vizekanzler Werner Kogler offiziell Gesundheitsminister. Zusätzlich zu seinen Jobs als Parteichef, Vizekanzler und Minister managt Kogler seit Jahresbeginn stets noch ein weiteres Ministerium. Ab Anfang Jänner vertrat Kogler für gut zwei Monate Alma Zadić als Justizminister.

Während Anschobers März-Erkrankung hätte Kogler auch noch das Gesundheitsressort übernehmen sollen, aber das verbietet das Ministeriengesetz – man darf gleichzeitig nur einen Minister vertreten. Daher ist im März Umweltministerin Leonore Gewessler für Anschober eingesprungen. Und aktuell eben Kogler.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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