Giorgia Meloni auf der Flucht vor den Geistern des Postfaschismus

Politik

Einst lobte Meloni den faschistischen Diktator Mussolini, heute gibt sie sich gemäßigt. Ist sie das wirklich?

„Mussolini war ein guter Politiker. Alles, was er getan hat, hat er für Italien getan. Anders als all die anderen Politiker der letzten 50 Jahre.“

So sprach Giorgia Meloni 1996, damals 19 Jahre alt, in fast fehlerfreiem Französisch zum Nachrichtensender Soir 3. Das Video ist immer noch auf Youtube zu finden.

Die Meloni von heute würde das so wohl nicht mehr sagen, sie hat dazugelernt. Und weiß ganz genau von den Bedenken gegenüber den postfaschistischen Wurzeln ihrer Fratelli d’Italia. Vorgängerpartei der „Brüder“ war die postfaschistische Nationale Allianz, die direkt aus den italienischen Faschisten entsprungen ist. Gegründet 2012, holten die Fratelli bei der letzten Wahl 2018  rund 3,4 Prozent; diesmal werden ihr mehr als 24,5 Prozent prophezeit inklusive Ministerpräsidentenamt.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte sie ein Video auf Englisch, Französisch und Spanisch, in dem sie internationale Befürchtungen als „Unsinn“ abtat: „Die italienische Rechte hat den Faschismus seit Jahrzehnten der Geschichte übergeben und die Unterdrückung der Demokratie unmissverständlich verurteilt“, sagte sie im Video.

Ist sie es, oder ist sie es nicht – eine Faschistin?

Duce-Nostalgiker

Ganz gleich, ob ihre Beruhigungsoffensive gelogen war oder nicht: In ihrer Partei wimmelt es nach wie vor von hartgesottenen Duce-Nostalgikern, die zu Mussolinis Grab pilgern und enge Kontakte zu Holocaust-Leugnern pflegen.

Zuletzt machte der Bruder des Parteimitgründers Meloni zu schaffen, weil er bei der Beerdigung eines früheren Rechtsextremen den Arm zum „römischen Gruß“ ausstreckte. Zuvor hatte ein Kandidat der Partei im Netz Adolf Hitler gelobt. Er wurde suspendiert.

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Pawel Tokarski von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik glaubt nicht, dass Melonis Faszination für Mussolini vorbei ist: „Im Wahlkampf musste sie Stimmen sammeln, Meloni gab sich moderat. Ich kann mir vorstellen, dass sie als Ministerpräsidentin versuchen wird, die politischen Strukturen in Italien zu verändern – auf Kosten des Parlaments.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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