Grünes Zittern vor Wahl-Debakel – und eine Klubchefin, die Schilling die Mauer macht

Politik

Bei Sitzungen von Parteispitze und Klub wurde festgehalten: Schilling bleibt EU-Spitzenkandidatin. Intern ist aber zu hören: Sollte sie scheitern, dann gibt es personelle Konsequenzen. Genannt wird der Name Sigrid Maurer.

Die Parteispitze der Grünen stehe „ziemlich geschlossen“ hinter Lena Schilling, sagt eine hohe Funktionärin aus einem Bundesland nach einer Sitzung am Montag. „Ziemlich geschlossen“ sei man zu der Überzeugung gekommen, dass man die Sache nun durchziehen werde. Das heißt: Schilling bleibt EU-Spitzenkandidatin.

Auf der Ebene darunter, dem Parlamentsklub, rumort es unterdessen kräftig. Der Klub tagte am Dienstag – und es war die erste Gelegenheit, um in größerer Runde zu besprechen, wie mit der Sache umzugehen sei. Um Kritik zu äußern an der bisherigen Kommunikationslinie. Und auch, um die Rolle von Klubchefin Sigrid Maurer zu hinterfragen. 

Scheitert Schilling, scheitert Maurer

Der große Aufstand blieb aus. Klar ist aus Sicht vieler aber: Maurers Schicksal ist mit jenem von Lena Schilling eng verbunden. Heißt: Scheitert Schilling, scheitert Maurer. 

Immerhin sei sie diejenige, die sich am stärksten für die Kandidatur der jungen Klimaaktivistin eingesetzt hat, interne Bedenken im Vorfeld weggewischt hat und sie mit Vehemenz verteidigt, wie es heißt.

Die Klubchefin trage also „definitiv“ die Verantwortung, sollte die EU-Wahl zum Debakel geraten. Gerade in Hinblick auf die Nationalratswahl im Herbst müsse man die entsprechenden Schlüsse ziehen, sagt ein erfahrener Parteifunktionär.

Könnte Maurer nach der EU-Wahl also ihren Job los sein? 

Aussprechen will das niemand so konkret. Nur so viel: „Ein Wahldebakel erfordert immer, dass man evaluiert, in sich geht und dass am Ende des Tages jemand die Verantwortung übernimmt.“ Auch Parteichef und Vizekanzler Werner Kogler, der sich erneut als Spitzenkandidat aufstellen lassen will, ist offenbar nicht sakrosankt, wie aus Gespräche mit Funktionären herauszuhören ist.

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An dieser Stelle taucht auch der Name Alma Zadić auf: Es ist kein Geheimnis, dass die Justizministerin auch in einer nächsten Koalition Justizministerin sein möchte. Oder zumindest Klubchefin, sollten die Grünen nach der Wahl in der Opposition landen. Zadić hat sich aus der Causa Schilling bis dato komplett herausgehalten – wohl, um nicht selbst beschädigt zu werden.

Verunsicherung

Verärgerung und Verunsicherung besteht an der Grünen Basis vor allem deshalb, weil unklar ist, was da noch alles ans Tageslicht kommen könnte. 

Die 23-Jährige dürfte in ihrer bisherigen Laufbahn mehrere Menschen in ihrem nahen Umfeld schwer enttäuscht und verärgert haben. Seit dem ersten Artikel des Standard vor einer Woche sind alle Dämme gebrochen. Fast täglich tauchen neue Geschichten aus dem (Privat-)Leben der umtriebigen Klimaaktivistin auf.

Ein Funktionär drückt es so aus: „Das, was derzeit auf dem Tisch liegt, ist nicht angenehm, aber das werden wir überstehen. Wenn aber noch mehr kommt, das auch belegbar ist, dann müssen wir die Lage neu bewerten.“ 

Aktuell hat das Ehepaar Bohrn Mena, das den Stein ins Rollen gebracht hat, Schilling auf dem zivilrechtlichen Weg auf Widerruf geklagt. Zudem gibt es eine Anzeige wegen Verleumdung, die strafrechtlich geprüft wird.

Rückzug kein Thema

Aus dem Wahlkampf-Team von Lena Schilling heißt es, dass man sich derzeit darauf konzentriere, diese Geschichten einzuordnen und Kontext zu liefern. Die Jungpolitikerin sei nach wie vor wild entschlossen, den Wahlkampf durchzuziehen. Ein Rückzug sei kein Thema. 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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