Ibiza-Detekiv Julian H.: Opfer einer Verschwörung?

Politik

Kriminalbeamte wollen ihn „mundtot machen“, sagte Ibiza-Drahtzieher Julian H. und zog die Unabhängigkeit der Justiz in Zweifel.

Er ist jener Mann, der im Ibiza-Video mit etwas zu enger Calvin-Klein-Unterwäsche prominent durch das Bild flitzt. Gemeinsam mit dem Lockvogel, der vermeintlichen Oligarchen-Nichte, verbrachte Julian H. 2017 die verhängnisvolle Sommernacht in der Finca. Sie sollte die Polit-Karriere von Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus jäh beenden.

Wenige Tage vor der Aussage des Detektivs Julian H. im Ibiza-Untersuchungsausschuss tauchte das Video erstmals in voller Länge in zwei Boulevardmedien auf. Julian H. sitzt derzeit in U-Haft. Ihm werden Erpressung und Drogendelikte vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Seinen Auftritt vor dem U-Ausschuss nutzte Julian H., um sich als Opfer zu inszenieren: vor allem der Polizei, die überschießend ermittelt habe. „Man will mich mundtot machen“, sagt er zur Motivation der Ermittler. An ein faires Verfahren glaube er auch nicht: „Ich kriege nicht, was ich will.“ Aktuelle ÖVP-Affären würden das durch Ibiza vermittelte Sittenbild bestätigen.

Notwendige Aktion

Julian H. berichtete dann über Kriminalbeamte, die sich an der Grenze der Legalität bewegten; von Videos, die österreichische Politiker beim Drogenkonsum in Club-Hinterzimmern zeigten, und weiteren Verstrickungen im Milieu. Seine Aussagen dazu im deutschen U-Ausschuss wollte er zum Teil nicht bestätigen, da dort – im Gegensatz zum Ausschuss in Österreich – keine Wahrheitspflicht herrscht.

Auch Drohungen gegen ihn und Überwachungsmaßnahmen will er wahrgenommen haben.

Monetäre Hintergedanken habe er bei der Produktion des Ibiza-Videos keine gehabt. Es war vielmehr eine „notwendige Aktion“, weil einer Anzeige, die der Ex-Bodyguard von Strache gegen den damaligen FPÖ-Chef wegen Drogenkonsums einbrachte, von der Polizei nicht nachgegangen wurde. Die Behörden hätten „bewusst weggesehen“.

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Forderung nach dem „Spiegel-Geld“

Allerdings stehen manche Aussagen zueinander im Widerspruch. Denn wenn Geld keine Rolle spielte, warum hat dann Ibiza-Anwalt M. der SPÖ beispielsweise das Video um sechs Millionen Euro angeboten? Das sei ohne sein Wissen passiert, so H..

FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker erwähnte aber auch einen Chatverlauf zwischen Julian H. und einem Pornoproduzenten. Hier fordert der Pornoproduzent einen Privatkredit von 70.000 Euro bei Julian H. ein. Der Detektiv antwortet, dass das „Spiegel-Geld“ in der zweiten oder dritten Februar-Woche komme. Hier wittern die Blauen natürlich eine heiße Spur. Denn die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel dementierten stets, für die Veröffentlichung des Ibiza-Videos etwas bezahlt zu haben.

Gudenus gewarnt

Johann Gudenus soll vor dem Ibiza-Video vom „Kurz-Umfeld“ gewarnt worden sein, dass jemand eine Videofalle für ihn vorbereite: „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, soll Gudenus H. bei einem Treffen einen Tag vor der Aufnahme des Ibiza-Videos gesagt haben.

Schmankerl aller Art gab es während der vierstündigen Befragung natürlich auch. So „enthüllte“ Julian H., dass es bei dem Treffen zudem um Gudenus’ „Glauben an Ufos und Außerirdische“ und „Energielinien, die sich in Ibiza kreuzen“, gegangen sei.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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