„Im Blindflug unterwegs“: Kaum Daten zu den Durchimpfungsraten

Politik

Zu wenige Impfungen sind im E-Impfpass eingetragen. Neos werfen Minister Rauch Fahrlässigkeit vor.

Bereits 60 bestätigte Masernfälle liegen für dieses Jahr vor. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen geraten einmal mehr die Durchimpfungsraten in Österreich in den Fokus. Sie zu kennen, ist die Voraussetzung dafür, um bei allfälligen Lücken gezielt gegensteuern zu können.

Allerdings fehlen zu den Impfraten solide Daten. Und das gleich bei einer Reihe von Infektionskrankheiten.

Das zeigt die Beantwortung einer aktuellen Anfrage der Neos durch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). Wörtlich heißt es darin: „Abgesehen von einer Erhebung der Durchimpfungsraten für Masern-, HPV- und Polio-Impfungen […] liegen hierzu derzeit leider keine detaillieren Daten vor, die einen Jahresvergleich zulassen würden.“ Einigermaßen genaue Zahlen gibt es immerhin zu den Covid-19- und Influenza-Impfungen, die auf impfdaten.at veröffentlicht werden.

Im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B oder Pneumokokken fehlen sie hingegen. Weitere Details aus der Anfrage-Beantwortung, zeigen enorme Strukturprobleme auf: Zwar ist recht ausführlich aufgeschlüsselt, wie viele Impfstoffdosen für das Kinderimpfprogramm und das nationale Impfprogramm jedes Jahr bestellt und auf die einzelnen Bundesländer aufgeteilt werden.

Wie viele dieser Dosen tatsächlich verimpft werden, kann der Minister aber nicht beantworten. „Die Bundesländer sind prinzipiell angehalten, nur die Menge an Impfstoffen zu bestellen, die auch tatsächlich verimpft wird“, schreibt Rauch. „Systematisch erhobene Zahlen zu tatsächlich verimpften Dosen“ würden im Ministerium jedoch nicht aufliegen.

E-Impfpass soll helfen

Immerhin für die Zukunft ist Rauch optimistisch: Der E-Impfpass soll dazu beitragen, die Datenlage zu verbessern.

Derzeit sei ein Großteil der Impfungen noch nicht in den E-Impfpass eingetragen, weshalb man auf Basis der dort abgespeicherten Daten auch keine Hochrechnungen zur Durchimpfungsrate durchführen könne.

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Impflücken

Die existierenden Daten weisen jedenfalls grobe Impflücken aus. Etwa bei den Masern: Bei den zwei- bis fünfjährigen Kindern sind acht Prozent komplett ungeimpft, „sodass das Ziel einer 95-%-Durchimpfungsrate nicht einmal bei der ersten Teilimpfung erreicht werden kann“, heißt es in einem Report des Ministeriums für 2022.

Beispiel HPV – ein Virus, das unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen kann: Bei den 14-Jährigen hatten laut Ministerium im Jahr 2022 rund 53 Prozent der Kinder bereits beide Impfungen erhalten. Bei der ersten Dosis liegt die Durchimpfungsrate bei 56 Prozent. Das Ziel der WHO ist, dass bis 2030 90  Prozent der 14-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft sind.

Beispiel Polio: „Mittlerweile sind bei den 2- bis 4-Jährigen mehr als 7 % oder in Zahlen rund 19.000 der Kinder komplett ungeimpft“, heißt es in dem Papier des Gesundheitsministeriums für 2022.

„Impfungen können Leben retten“, sagt Neos-Gesundheitssprecherin Fiona Fiedler. „Warum es dem Gesundheitsminister nicht gelingt, die Durchimpfungsraten zu erfassen, ist völlig unverständlich und fahrlässig. Rauch befindet sich im absoluten Blindflug.“

Parlamentsdirektion / Thomas Topf

Fiona Fiedler (Neos)

Fiedler wirft Rauch zudem Säumigkeit bei der Ermöglichung von niederschwelligen Impfangeboten vor. „Das hat nicht zuletzt sein Einknicken gegenüber der Ärztekammer bewiesen, die Impfungen in den Apotheken verhindert hat.“ Deren Einbindung könne aber „ein entscheidender Turbo für die Erhöhung der Durchimpfungsraten sein“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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