Iran-Krieg bedroht Gesundheit: Giftige Substanzen freigesetzt

Politik

Im Iran-Krieg sind bisher nach Angaben einzelner Staaten einige Tausend Menschen getötet worden. Doch Bomben und Brände setzen auch giftige Substanzen frei, die schon beim Einatmen gesundheitsschädlich sind und langfristig wirken. Zudem ist das Trinkwasser in Gefahr.

„Anhaltende Bedrohung“

Zu den deutlich sichtbaren Umweltfolgen des Krieges zählen die Angriffe auf Ölanlagen wie Öllager im Iran oder eine Raffinerie in Israel. Besonders drastisch waren die dunklen Wolken über Irans Hauptstadt Teheran nach dem Brand mehrerer Depots Anfang März. „Allein die israelischen Angriffe auf die Ölanlagen in Teheran führten dazu, dass potenziell Millionen von Menschen einer breiten Palette gefährlicher Schadstoffe ausgesetzt waren, von denen einige in der Umwelt persistent sind und eine anhaltende Bedrohung für Böden und Wasserressourcen darstellen“, sagt Doug Weir, Direktor der britischen Organisation The Conflict and Environment Observatory (Ceobs).

Diese giftige Mischung aus Schadstoffen regnete laut Ceobs anschließend über der Stadt ab und gelangte in die Entwässerungssysteme, was zu Bedenken hinsichtlich einer möglichen Verunreinigung von Oberflächen- und Grundwasser geführt habe. Zu den typischen Schadstoffen von Öl- oder Raffineriebränden zählten etwa Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickoxide und Ruß.

Schadstoffe verteilen sich über weite Regionen

„Teheran selbst ist generell stark verschmutzt. Jahrelange Sanktionen haben dazu geführt, dass die Autos veraltet sind“, sagt Sana Chavoshian vom Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin. Zur Energiegewinnung werde das besonders umweltschädliche Schweröl Masut verbrannt. „Und jetzt kommen diese neuen Explosionen und Bombardierungen dazu, sodass sich weitere Schadstoffe ansammeln.“ Forschungsergebnisse zeigen laut Weir, dass Menschen in stark verschmutzten Umgebungen wie in Teheran besonders anfällig für gesundheitliche Auswirkungen in solchen Phasen sehr schlechter Luftqualität seien.

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Partikel aus dem Rauch können laut Ceobs innerhalb von Tagen Hunderte Kilometer weitergetragen werden. Das niedergegangene Schadstoffgemisch könne mit dem Wind von den Straßen und Dächern abgetragen werden und bis nach Turkmenistan in Zentralasien und Tadschikistan gelangen, sagt Chavoshian. „Staubstürme bringen schon seit Jahren Feinstaub in andere Länder und jetzt kommen weitere Schadstoffe hinzu als giftiges Erbe des Krieges.“

Weitere Gefahr durch Bombardierung von Militäranlagen

Gefahr kommt nicht nur von brennendem Öl, sondern auch von Bomben und anderer Munition. „Der weitverbreitete Einsatz von Munition kann zur Freisetzung von Schwermetallen und giftigen Chemikalien in die Umwelt führen“, schreibt das UN-Umweltprogamm (Unep). Die Schwermetalle und explosive Chemikalien seien selbst in geringsten Mengen giftig. Auch Angriffe auf Munitionsdepots können laut Ceobs Schadstoffe freisetzen und zusätzlich könnten bei Bränden von Depots mit konventionellen Waffen Dioxine und Furane entstehen.

Bei einem Angriff auf Erdgasanlagen sieht Weir nicht das Gas als Hauptproblem. „Unsere Hauptsorge gilt weniger dem Gas selbst – obwohl die Freisetzung von unverbranntem Methan erhebliche Auswirkungen auf das Klima hat“, sagt Weir. Vielmehr sehe er eine Gefahr in den petrochemischen Anlagen, in denen Gas verarbeitet wird. Sie befänden sich oft in unmittelbarer Nähe von Erdgasfeldern und enthielten eine größere Bandbreite potenzieller Schadstoffe.

Grundwasser und Trinkwasser langfristig gefährdet

Eine weitere Gefahr ist die Verschmutzung des Wassers. „Schäden an der Ölinfrastruktur können Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und giftige Chemikalien in Böden und Oberflächengewässer freisetzen, die anschließend ins Grundwasser gelangen können“, sagt Nima Shokri, Leiter des Instituts für Geohydroinformatik der Technischen Universität Hamburg. „Diese Verschmutzung kann über Jahre oder sogar Jahrzehnte bestehen bleiben und …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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