Karl Lauterbach, Deutschlands ewiger Corona-Warner

Politik

Vom Pandemie-Erklärer zum „Panikmacher“ und „Spielverderber“: Deutschlands Gesundheitsminister verliert sein Publikum. Das feiert lieber hemmungslos am Oktoberfest.

„Prost, Karl Lauterbach!“ Dazu ein Schnappschuss vom Oktoberfest, wo nach zwei Jahren Zwangspause endlich wieder gefeiert, gesoffen und gegrölt werden kann – ohne Tests, Masken oder Sicherheitsabstand.

Grüße wie diese häuften sich in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien. Es scheint, als wäre die Corona-Pandemie, um US-Präsident Joe Biden zu zitieren, zumindest in München „vorbei“.

Für den deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist sie das allerdings nicht: Ab 1. Oktober gilt in Deutschland das strengste Infektionsschutzgesetz in ganz Europa, darunter eine FFP2-Maskenpflicht in allen Öffis. So muss man ab nächster Woche, ähnlich wie auf dem Weg von Niederösterreich nach Wien, ab der Grenze von Österreich nach Deutschland im Zug eine Maske aufsetzen; im Flugzeug allerdings nicht. Über diese (Ir-)Rationalität wird im Bundestag regelmäßig gestritten. Auf die letzte Debatte folgte eine Anzeige Lauterbachs gegen eine AfD-Abgeordnete – wegen Beleidigung.

Vom Publikumsliebling…

Lauterbach galt lange als einziger Politiker Deutschlands, der die Pandemie und die Wissenschaft verstand und der deutschen Bevölkerung entsprechende Schutzmaßnahmen verkaufen konnte. Seine Auftritte in diversen Talkshows ebneten ihm den Weg ins Ministeramt.

Mittlerweile hören die Deutschen dem Mediziner allerdings weitaus weniger gerne zu als noch zu Amtsantritt. Den „ewigen Corona-Warner“, nennt ihn die FAZ, für andere ist er ein „Panikmacher“ und „Spielverderber“: Während der Krieg in der Ukraine die Berichterstattung über die Pandemie alt aussehen lässt und die Angst der Bevölkerung vor den Energiepreisen höher ist als vor einer Infektion, hält Lauterbach an Corona fest: Der SPD-Politiker kauft angepasste Impfstoffe und ruft zum vierten Stich auf.

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APA/dpa/Kay Nietfeld

Für Karl Lauterbach (59) ist die Pandemie noch nicht vorbei: Ab 1. Oktober gilt in Deutschland das strengste Infektionsschutzgesetz in ganz Europa.

Gleichzeitig muss er mehr als vier Millionen Impfstoffe wegwerfen, weil sie das Verfallsdatum überschritten haben und die Impfbereitwilligkeit bei der Bevölkerung nachlässt.

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Selbst in der eigenen Partei dürfte er aktuell kaum gehört werden. Genossen und Mediziner werfen ihm vor, er stecke zu viel Kraft in die Pandemiebekämpfung und zu wenig in sonstige Gesundheitspolitik.

Vergangene Woche musste sich Lauterbach dann sogar mit einer Anzeige herumschlagen. Der Vorwurf: Er habe gegen „seine“ Corona-Regeln verstoßen und die Isolation nach einer Infektion im August zu früh beendet. Die Ermittlungen wurden mittlerweile eingestellt.

Einer Spiegel-Umfrage zufolge hat sich die Zufriedenheit der Deutschen mit Lauterbach seit Amtsantritt halbiert. Anfang Jänner galt er als der beliebteste Politiker Deutschlands, heute liegt er weit abgeschlagen hinter den anderen Ministern.

Natürlich könnte man die Politik Lauterbachs auch anders sehen: beständig, konstant, wissenschaftlich fundiert. Er selbst reagiert gelassen auf die Kritik: „Man muss nicht immer mit der Herde laufen“, meinte er am Mittwochabend auf ARD. „Wenn man davon überzeugt ist, dass eine andere Lösung besser ist, muss man dazu stehen. Auch, wenn das keine Plus-Punkte in der Beliebtheitsskala bringt.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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