Katzian und Mahrer oder: Zwei wie Pech und Schwefel

Politik

Die Präsidenten sind auffallend eng miteinander. Warum eigentlich?

Sie wirken nicht wie politische Zwillinge, nicht aufs Erste: Der eine, Wolfgang Katzian, trägt gern Polo und Lederjacke. Und wenn sich der gelernte Bankkaufmann über geizige Milliardäre ärgert, macht er das mitunter in so breitem Dialekt, dass er sich später dafür entschuldigt.

Der andere, Harald Mahrer, ist bei offiziellen Anlässen selten ohne Stecktuch und Krawatte zu sehen; er hat sich als PR- und Unternehmensberater einen Namen gemacht. Und deftiges Wienerisch? Nein, das ist seine Sache nicht.

Katzian und Mahrer stehen als Präsidenten von Gewerkschaftsbund und Wirtschaftskammer an der Spitze der Sozialpartnerschaft. Und wer die beiden zuletzt beobachtet hat, dem fiel auf: Zwischen sie passt sprichwörtlich kein Blatt.

Aber wie kommt das? Immerhin galt Mahrer als enger Verbündeter von Sebastian Kurz, dem Gottseibeiuns vieler Roter. Und Mahrer war Chef der Wirtschaftskammer, als ÖVP-geführte Regierungen gegen den Willen des ÖGB den 12-Stunden-Tag und den Umbau der Gebietskrankenkassen durchzogen.

Neue Stärke

Christoph Klein gehört zu den intimen Kennern der Sozialpartnerschaft, er war Direktor einer zentralen Institution, der Arbeiterkammer. Klein bestätigt den Eindruck eines neuen Selbstbewusstseins. Und das liege – auch – an Katzian und Mahrer: „In einem Punkt haben beide dieselbe Stärke: Sie sind wirtschaftspolitisch mit enormer Klugheit ausgestattet“.

Woher kommt das Vertrauen?

Das erklärt freilich nicht, warum man auch politisch zusammenhält. Woher kommt dieses Vertrauen? Eine Erklärung sind zweifelsohne die Erfahrungen in den jüngsten Krisen, vor allem in der Pandemie.

„Bei den Verhandlungen zur Kurzarbeit haben beide gesehen, dass man absolut dasselbe will: Die Betriebe müssen überleben, die Menschen sollen ihre Jobs behalten“, sagt ein einflussreicher Gewerkschafter. Auch AK-Mann Klein bestätigt das: „Am 13. März 2020 sind wir zuerst mit der Regierung und dann als Sozialpartner zusammengesessen und haben innerhalb weniger Stunden das Kurzarbeitsmodell geboren. Da hat sich die Sozialpartnerschaft zu alten Höhen emporgehoben.“

  Putin ersetzt Schoigus Vize durch "Schlächter von Mariupol"

Wenn’s d’rauf ankommt, dann machen wir ordentlich Tempo und legen konkrete Lösungen vor – das ist das eine Gefühl, das Mahrer und Katzian eint.

Ein anderes: Die Politik weiß zwar viel – aber nicht genug über die Arbeitswelt. Noch einmal Christoph Klein: „Unter Türkis-Blau wurden viele externe Berater wie Rechtsanwälte in politische Entscheidungen mit einbezogen. Der klare Vorteil von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist aber: Sie wissen, was in der Praxis funktioniert, wie die Stimmung in den Betrieben ist – und was die Menschen draußen bewegt.“

Es ist mittlerweile nicht zu überhören, dass Katzian und Mahrer auch etwas anderes eint, nämlich: der Frust darüber, dass die Politik die neue Krise möglicherweise unterschätzt.

Die beiden Herren selbst wollen über ihre Beziehung übrigens nicht öffentlich reden. Die Sprecherinnen der Präsidenten sagen übereinstimmend, das Verhältnis sei von einem durchaus belastbaren gegenseitigen Vertrauen gekennzeichnet. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen. Denn: Es soll ja dabei bleiben.

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.