Kein Sessel für Von der Leyen: EU-Ratschef Michel entschuldigt sich

Politik

Spät, aber doch, zeigt sich der Belgier zerknirscht über die Herabwürdigung der EU-Kommissionschefin beim gemeinsamen Besuch in Ankara.

Zwei Männer unter sich, die Frau als geduldete Zuhörerin – dieses Bild bleibt vom jüngsten Besuch der EU-Spitze in Ankara in Erinnerung. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel hatten wie berichtet am Dienstag den türkischen Präsidenten Erdogan besucht, um eine neuerliche Annäherung der Staatengemeinschaft an die Türkei auszuloten. Allein, für die mächtigste Frau der EU stand kein Sessel bereit, sie musste auf dem Sofa Platz nehmen. 

Während die türkische Regierung am Mittwoch Deutschland den Schwarzen Peter zuschob und sagte, dieses sei in die Vorbereitungen des Fototermins eingebunden gewesen, hagelte es aus zahlreichen EU-Ländern Kritik an Erdogan – aber auch an Michel, den die skurrile Situation in Ankara so gar nicht zu irritieren schien und der sich zunächst nicht zu dem Vorfall äußerte. 

„Ursula und ich“

Das sei absolut nicht der Fall gewesen, teilte der Belgier schließlich am Abend via Facebook mit und erklärte die Gründe für sein Handeln: „Einige Bilder lösten Reaktionen und manchmal harte Interpretationen aus. Was mich dazu bringt zu reagieren.“

Von der Leyen und er seien nach monatelanger Vorbereitung nach Ankara gereist, mit dem festen Ziel, die Beziehungen zu verbessern. Die „strikte Auslegung der Protokollregeln“ durch die türkische Seite habe dann aber zu einer „beunruhigenden Situation geführt: Die differenzierte, sogar reduzierte Behandlung der Präsidentin der Europäischen Kommission.“ 

Die wenigen gezeigten Bilder hätten den Eindruck erweckt, dass er „für diese Situation unempfindlich“ gewesen wäre, so Michel: „Nichts ist weiter von der Realität entfernt, noch von meinen tiefen Gefühlen.“ – „Ursula und ich“ hätten allerdings entschieden, das politische Anliegen nicht durch einen öffentlichen Eklat zu gefährden.

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Michel spricht in seinem Facebook-Statement davon, dass Von der Leyen und er mehrmals deutliche Kritik an der Politik des türkischen Präsidenten geübt hätten, etwa am Ausstieg aus der Istanbul-Konvention, einem internationalen Übereinkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Und er verwies darauf, wie stolz er sei, dass zwei wichtige Institutionen in Europa von Frauen geführt werden: die EU-Kommission durch Von der Leyen und die Europäische Zentralbank durch Christine Lagarde. 

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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