Konzern entschuldigt sich: Amazon-Kuriere müssen in Flaschen pinkeln

Politik

Amazon hat es bestritten und musste es nun doch zugeben: Seine Kuriere haben zu hohen Zeitdruck für den Gang auf eine Toilette.

Den US-Abgeordneten Mark Pocan, ein Abgeordneter der Demokratischen Partei im Repräsentantenhaus, hat es schwer empört: Er ärgerte sich auf Twitter unter anderen darüber, dass die Kurier des Handelsriesen Amazon aus schierer Zeitnot gezwungen seien, in Flaschen zu urinieren.

Amazon reagierte sofort: »Sie glauben die Sache mit dem Pinkeln in Flaschen nicht wirklich, oder? Wenn das wahr wäre, würde niemand für uns arbeiten«, hieß es in einer Antwort auf den Tweet.

Nun aber musste sich Amazon entschudigen. Und dabei zugeben, dass es den Tatsachen entspricht: Zehntausende Mitarbeiter in den USA müssten leider doch zeitweise in Flaschen urinieren, hieß es in einer längeren Stellungnahme des Unternehmens:  »Wir wissen, dass unsere Fahrer mitunter Probleme haben, eine Toilette zu finden, sei es auf abgelegenen Routen oder wegen Staus.«

Da während der Pandemie viele öffentliche Toiletten geschlossen seien, habe sich das Problem noch verschärft.

Die vorschnelle Reaktion auf den Tweet des US-Abgeordneten bereut Amazon: »Das war ein Eigentor, und wir schulden dem Abgeordneten Pocan dafür eine Entschuldigung«, heißt es in dem Blogeintrag. Bei den Arbeitern in den Amazon-Lagern sei die Situation natürlich eine andere.

„Flaschensystem“

Doch von ähnlichen Problemen in Großbritannien hatte vor kurzem auch ein Investigativjournalist berichtet: Viele Mitarbeiter in den riesigen Lagern hätten Sorge, sich genügend Zeit zu nehmen, um auf die Toilette zu gehen. 

Der Autor James Bloodworth schleuste sich heimlich in ein Amazon-Lager im englischen Staffordshire ein, um ein Buch über Jobs mit geringem Gehalt in Großbritannien zu schreiben. Er fand heraus, dass die Angestellten dort, die in der riesigen Lagerhalle tätig sind, ein „Flaschensystem“ hatten — weil es zu wenige Toiletten gab, um dort schnell hinzukommen. 

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„Für diejenigen von uns, die im obersten Stockwerk arbeiteten, waren die nächsten Toiletten vier Stockwerke unter uns“, erzählte Bloodworth „The Sun“. „Menschen haben einfach in Flaschen gepinkelt, weil sie befürchteten, für Leerlaufzeiten bestraft zu werden und ihre Jobs zu verlieren, weil sie auf die Toilette mussten.“

Amazon ist dafür bekannt, zu messen, wie lange die Lagerarbeiter brauchen, um Bestellungen zusammenzustellen und zu verpacken, während ihnen Zeiten für Pausen und Zielerreichungen vorgegeben werden. Diejenigen, die diese Zeiten überschreiten, bekommen Warnpunkte. 

Amazon bestreitet, dass sie Toilettenpausen ihrer Angestellten messen.

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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