Kurz‘ holpriger Sommer: Der ÖVP-Wahlkampf in zehn Pannen

Politik

Die ÖVP führt alle Umfragen deutlich an. Das täuscht darüber hinweg, dass in den letzten Monaten nicht alles rund lief.

Geht die Nationalratswahl so aus, wie es sämtliche Umfragen seit Monaten konstant prognostizieren, wird die ÖVP unangefochten Platz eins einfahren. 12 bis 18 Prozent beträgt der Vorsprung der Volkspartei in allen seit dem Platzen der türkis-blauen Koalition veröffentlichten Umfragen.

Dabei läuft die Wahlkampfmaschine von Sebastian Kurz im Gegensatz zum perfekt durchchoreographierten Nationalratswahlkampf 2017 alles andere als rund. Kaum können zwei Wochen vergehen, ohne dass die ÖVP ins Gerede kommt.

Eine Chronologie der türkisen Wahlkampf-Stolperer in zehn Akten:

1. Akt: Die Ibiza-Affäre

Am 17. Mai platzte die Bombe. Die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel veröffentlichten geheim aufgenommene Video-Aufnahmen, in denen FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und sein Wiener Statthalter sowie Klubobmann im Parlament, Johann Gudenus, in einer Finca auf Ibiza mit einer vermeintlichen Oligarchennichte konspirierten (in Wahrheit war sie ein Lockvogel). Dabei wurde ihr, unter vielem anderen, im Austausch gegen Spenden an parteinahe Vereine am Rechnungshof vorbei öffentliche Aufträge in Aussicht gestellt.

Sebastian Kurz lies sich viel Zeit, verkündete am Ende aber das Ende der türkis-blauen Koalition. Nun ist das natürlich in erster Linie ein FPÖ-Skandal. Doch die lange Nachdenkpause, bis Kurz sich erstmals zu Wort meldete, sowie seine Bereitschaft, die Koalition fortzusetzen, sollte sich die FPÖ dazu bereit erklären, Innenminister Herbert Kickl auszutauschen, blieben auch an Kurz hängen. Außerdem muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, entgegen zahlreicher Warnungen, die FPÖ in die Regierung geholt zu haben.

2. Akt: Das Segensgebet

Am 16. Juni besuchte Sebastian Kurz im Rahmen seiner Österreich-Tour die Veranstaltung „Awakening Austria“, zu Deutsch: Österreich erwecken, in der Wiener Stadthalle. Die Veranstaltung wurde von dem evangelikalen Prediger Ben Fitzgerald organisiert und moderiert, einem Australier, der laut eigenen Angaben 2002 Jesus traf und daraufhin seine Karriere als Drogendealer beendete, um das Wort des Herrn zu verbreiten.

Auf der von 10.000 Menschen besuchten, dreitägigen Veranstaltung kam es laut einem Bericht des Magazins Biber auch zu Exorzismen – und es wurden andauernd Spenden gekeilt.

Kurz wurde dort, wenn auch sichtlich überrascht, von Fitzgerald auf die Bühne gebeten und mit einem Segensgebet bedacht. „Vater, wir danken dir so sehr für diesen Mann. Für die Weisheit, die du ihm gegeben hast. Für das Herz, das du ihm gegeben hast für dein Volk“, so Fitzgerald. Und weiter: „Wir beten, dass du ihm gerechte Führung gibst, Weisheit und Schutz.“

Nach dem Gebet bedankte sich ein bereits wieder gefasster Kurz beim ebenfalls anwesenden Kardinal Schönborn, Fitzgerald und allen Anwesenden. Es sei „wirklich eine große Ehre und eine Riesenfreude, heute da sein zu dürfen“ und er glaube, „dass jeder einzelne einen Unterschied machen kann, dass jeder einzelne etwas bewegen kann. Für eine Gesellschaft, in der es Zusammenhalt gibt, wo Menschen füreinander da sind und in der Glaube auch eine Rolle spielt“, so Kurz.

Von kirchennahen Organisationen wie der Caritas und der Diakonie folgte deutliche Kritik an der Vermischung von Religion und Politik.

3. Akt: Die ominösen E-Mails

Nur einen Tag später, am 17. Juni, berichteten Sebastian Kurz und ÖVP-General Karl Nehammer in einer …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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