Nach 20 Tagen wieder abgebaut: Warum der US-Hafen vor dem Gazastreifen gescheitert ist

Politik

Über die schwimmende Plattform sollten täglich Hilfsgüter in den Gazastreifen gebracht werden. Doch das Projekt wurde zum PR-Schaden für das US-Militär.

Es hätte ein Achtungserfolg für das US-Militär sein sollen, ein Zeichen der Unterstützung für die Zivilbevölkerung auf dem Gazastreifen und eine deutliche Kritik an der brutalen Kriegstaktik des langjährigen Verbündeten Israel. Stattdessen wurde es ein Fiasko.

Vier Monate ist es her, dass ein sichtlich geladener US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus den Plan verkündet hat, einen temporären Hafen an die Küste des Gazastreifens bauen zu wollen, um von dort aus Hilfslieferungen ins Landesinnere bringen zu können.

Hafen soll in wenigen Tagen endgültig abgebaut werden

Doch das Projekt hatte von Anfang an mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Insgesamt kostete der temporäre Hafen das US-Militär mehr als 320 Millionen US-Dollar, dabei konnten dort nur in etwa 500 Lkw-Ladungen an Hilfsgütern angenommen werden – so viele, wie am Grenzübergang Rafah vor Ausbruch des Krieges an einem einzigen Tag ankamen.

Heute, so berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf hochrangige Quellen aus dem US-Militär, soll die Entscheidung gefallen sein, den Hafen endgültig wieder abzubauen. Es ist ein Fehlschlag auf ganzer Linie.

Aber wie hätte das Projekt eigentlich funktionieren sollen? Und was hat dazu geführt, dass es so krachend gescheitert ist?

Wie hätte der temporäre Hafen funktionieren sollen?

Zunächst klingt die Idee relativ einfach: Man verbindet etliche Pontons, also hohle Schwimmkörper, in diesem Fall aus aneinandergeschweißtem Stahl, und baut damit eine große Plattform auf der Wasseroberfläche. Sie wird mit einem Anker am Meeresboden befestigt.

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An diese Plattform baut man einen Steg – ebenfalls aus Pontons -, der die Plattform mit der Küste verbindet. Und schon hat man einen schwimmenden Hafen.

In Wahrheit verbirgt sich dahinter ein hochriskantes militärisches Manöver, in den USA „Joint Logistics Over-the-Shore“ (gemeinsamer Transport über die Küste), kurz „JLOTS“, genannt. 

KURIER/Manuela Eber

So hätte der temporäre Hafen vor dem Gazastreifen funktionieren sollen

Man muss sich das so vorstellen: Schwere Frachtschiffe bringen Container voller Hilfsgüter zu einer großen Ponton-Plattform in tiefem Gewässer, wo sie auf Lkw und Militärfahrzeuge umgelagert werden. Ein kleineres, für seichtere Gewässer geeignetes Frachtschiff holt diese Fahrzeuge ab und bringt sie zu einer kleineren Landungsplattform vor der Küste.

REUTERS/Amir Cohen

Ein Lkw verlässt ein Frachtschiff am temporären Hafen des US-Militärs vor der Küste des Gazastreifens.

Dort setzen die Fahrzeuge auf der kleineren Landungsplattform auf und müssen über den Steg an Land gebracht werden. 

via REUTERS/U.S. Army Central

Ein LkW fährt über den Landungssteg des temporären Hafens. Größere (Militär-)Fahrzeuge müssen mit einer schwimmenden, steuerbaren Plattform an Land gebracht werden.

Besonders erfolgreich war man derartigen JLOTS-Operationen im Zweiten Weltkrieg, als es gelang, die US-Soldaten nach dem „D-Day“ an der Küste der Normandie wochenlang mit Nachschub zu versorgen.

Doch schon damals gab es Probleme, im Grunde gibt es die immer bei JLOTS-Operationen. Vor allem dann, wenn die Ponton-Plattformen hohem Gewicht und unruhiger See ausgesetzt sind. Beides ist vor der Küste des Gazastreifens gegeben.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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