ÖBB-Chef Andreas Matthä: „100 Prozent schaffst Du nicht“

Politik

KURIER: Sie sind gelernter Brückenbauer, seit 2016 an der Spitze der ÖBB und damit der längstdienende Bahnchef. Wem oder was haben Sie das zu verdanken?

Andreas Matthä: Es ist ein stückweit die Kunst, Brücken zwischen unterschiedlichen Menschen und Meinungen zu bauen, um eher zu verbinden als zu trennen. Ich glaube, das liegt mir.

Die ÖBB sollen laut SPÖ-Infrastrukturminister Peter Hanke reformiert werden. Woran würde ich als Kunde oder Mitarbeiter in ein paar Jahren merken, dass die Reform gelungen ist?

Sie würden es daran erkennen, dass Sie als Österreicherinnen und Österreicher, denen die Bahn letztendlich gehört, noch stolzer sind als Sie es hoffentlich nicht ohnedies schon sind, weil wir bereits jetzt einen Spitzenplatz in Europa haben. Wir wollen im Wettbewerb weiterkommen, den Bürgern den Wunsch nach Konnektivität in andere Länder bestmöglich erfüllen. Und, wir wollen den Güterverkehr in unserem Markt – also alles östlich des Rheins bis Shanghai – weiter ausbauen.

Aber es geht letztlich um die Bereinigung interner Strukturen?

Wir sind in einer Struktur gefangen, die bis in die dritte Ebene des Konzerns geht. Hier brauchen wir mehr Freiheiten und natürlich achtet man darauf, wo man Doppelgleisigkeiten bereinigen kann, um flotter zu werden. 

Die Politik spricht jüngst immer wieder über KPIs, Key Performance Indicators. Gibt es einen Faktor, der für Sie erfolgsentscheidend ist? 

Der erste und schnellste Indikator ist die Pünktlichkeit. Das Erste, was ich nach dem Aufstehen in der Früh mache, das ist mir die Statistik über die Pünktlichkeit des vorigen Tages anzuschauen. Das bedeutet manchmal, dass der ein oder andere Manager nicht den besten Morgen hat, weil wir diskutieren, was da passiert ist. Es braucht manchmal den heißen Atem des Chefs, dass jeder im Konzern versteht, was zentral ist. 

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Bei welcher Prozentzahl wird Ihr Atem besonders heiß?

Im Fernverkehr alles, was unter 80 Prozent ist. Im Nahverkehr werde ich bei allem, was unter 92 Prozent ist, grantig. Der Faktor Pünktlichkeit ist deshalb so zentral, weil die Menschen ihren Tag mit uns planen. Wenn wir eine halbe Stunde zu spät sind, dann erzeugen wir nicht nur Stress, sondern dann haben wir unser Versprechen nicht gehalten: „Pünktlich wie die Eisenbahn!“ Wissen Sie, als Chef ist man nie zufrieden, aber ich muss schon oft lächeln, wenn ich meine deutschen Kollegen höre, die bei erst ab einer Pünktlichkeit ab 80 Prozent ein Thema haben, die Schweizer erst ab 90 Prozent. Überall hat man dieselbe Diskussion, aber 100 Prozent schaffst du natürlich nicht. Das muss aber der Anspruch sein! 

Ist aufgrund des Irankriegs, der Energiepreise davon auszugehen, dass mehr Menschen auf die Bahn umsteigen und wenn ja, sind die ÖBB dafür gerüstet?

Wir bekommen laufend neue Züge herein – heuer allein 80, aber Sie müssen rechnen, dass ein Zug von der Bestellung bis er am Gleis steht, ungefähr 10 Jahre braucht. Was wir bis jetzt beobachten, dürfte die Nachfrage seit dem Iran-Krieg im März noch einmal einen Sprung nach oben gemacht haben. Wir haben demnächst unsere Bilanzpressekonferenz, bei der wir das etwas detaillierter sagen können. Was ich jetzt schon verraten kann: Wir haben 2025 einen Fahrgastrekord von 559 Millionen Fahrgästen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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