Portugiesen genießen neue Freiheiten durch Corona-Entspannung

Politik

Im Jänner war Portugal ein katastrophaler Corona-Hotspot. Nach einem knallharten Lockdown hat das Land die Lage wieder im Griff.

Einfach nur in einem Café in der Sonne sitzen und aufs Meer schauen – das allein sei nach den Monaten im harten Lockdown schon ein Genuss, erzählt eine Lissabonerin. Seit Ostermontag ist dieses Glück den Portugiesen wieder beschieden. Aber nach besonders harten Einschränkungen zu Ostern und auch jetzt nur mit Maß und Ziel.

Höchstens vier Personen dürfen an einem Tisch in Straßencafés und auf Restaurantterrassen sitzen. Sperrstunde unter der Woche ist 22.30 Uhr, am Wochenende sperren die Lokale überhaupt gleich wieder um 13 Uhr.

REUTERS/VIOLETA SANTOS MOURA

Es sind die ersten Schritte wieder in die Freiheit. Zudem dürfen Kinder bis 15 Jahren wieder in den Schulen unterrichtet werden, kleinere Geschäfte mit bis zu 200 Quadratmetern und auch Museen sind wieder geöffnet. Tennisplätze im Freien und Golfplätze dürfen unter strengen Vorsichtsmaßnahmen ebenfalls wieder bespielt werden. Der Zwang zum Homeoffice bleibt allerdings noch. Vorsicht bleibt das Gebot der Stunde.

Vorsichtige Öffnung

 „Die Öffnung muss sehr vorsichtig geschehen“, warnte Portugals Regierungschef Antonio Costa seine Landsleute. „Wir können kein Risiko eingehen, und wir dürfen das Erreichte nicht aufs Spiel setzen“, drängt er seine neun Millionen Einwohner zu größter Vorsicht.

Vor allem die Urlaubsregion entlang der Algarve und die Ferieninsel Madeira machen sich Sorgen, dass das „Wunder von Portugal“ nur von kurzer Dauer sein könnte.

Ein „Wunder“? Die Zahlen sprechen für sich: Mitte Jänner hatte Portugal mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von fast 900 Fällen pro 100.000 Einwohner eine der höchsten Ansteckungsraten der Welt. Täglich gab es mehr als 13.000 Neuinfektionen und 300 Covid-Todesopfer. Die Intensivstationen waren zu 94 Prozent voll. Das Gesundheitssystem kollabierte. Die Leichenhallen waren überfüllt.

  Innenminister Nehammer erntet Kritik von Opposition

REUTERS/PEDRO NUNES

In Lissabon stauten sich im Jänner die Rettungswägen vor den Spitälern – das Gesundheitssystem kollabierte

Nach einem Hilfeschrei der Regierung eilten deutsche Ärzte und Sanitäter der Bundeswehr nach Lissabon. Österreich übernahm wie auch Spanien schwerkranke Covid-Patienten.

Inzidenz unter 30

Und heute? Mit einem Sieben-Tage Inzidenzwert unter 30 steht Portugal nach Island am besten von allen europäischen Staaten dar. Die Kehrtwende gelang dank eines knallharten landesweiten Lockdown. So gut wie alles – außer Supermärkte – wurde dicht gemacht. Nur in unmittelbarer Nähe der Wohnung durfte man kurz spazieren gehen oder Lebensmittel einkaufen.

Sonst galt eine 24-Stunden-Ausgangsperre, Unternehmen wurden verpflichtete, Homeoffice anzubieten. Und die Polizei kontrollierte die Einhaltung der Regeln sehr streng. Auch Ein- und Ausreisen wurden für zwei Wochen komplett verboten. Auch jetzt noch bedarf es eines triftigen Grundes, um nach Portugal reisen oder ausreisen zu dürfen.

APA/AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA

Abstand und Maske – ohne geht es auch weiterhin nicht

Der nationale Kraftakt zeigte jedoch Wirkung. Jetzt atmen die Portugiesen wieder auf. Läuft alles weiter so gut wie erhofft, dann sollen Mitte April Kinos und Theater ihre Tore wieder öffnen dürfen. Und Anfang Mai Restaurants und Cafés auch in den Innenräumen bis zu sechs Gäste an einem Tisch bewirten dürfen. Auch weitere Lockerungen und Freiheiten sollen im Mai folgen.

Achtsam bleiben

Aber Präsident Marcelo Rebelo de Sousa mahnt dennoch, „achtsam“ zu sein: „In vielen Ländern in Europa steigen die Zahlen, in vielen herrscht weiterhin ein harter Lockdown …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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