Seniorenbund-Präsidentin über das „Wirtschaftswunder Alte“

Politik
Pressekonferenz des Österreichischen Seniorenrates

Ingrid Korosec appelliert an die Wirtschaft, umzudenken und die Generation 65 plus als Markt zu erkennen – und nennt drei Beispiele.

Seit Jahresbeginn leben mehr Seniorinnen und Senioren über 65 Jahre als Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre in Österreich. Leben heute – gemäß den Zahlen der Statistik Austria – 1.738.977 Menschen über 65 in Österreich, sind es in neun Jahren (2030) 2.140.717 und 2040 knapp 2,5 Millionen.

„Die EU-Kommission stellte bereits vor über zehn Jahren im Ageing Report fest, dass alternde Gesellschaften für innovative Unternehmen neue Möglichkeiten bedeuten. Wer diesen Markt richtig zu bedienen weiß, erlebt ein ‚Wirtschaftswunder Alte‘. Das erfordert natürlich die Bereitschaft, umzudenken“, sagt Ingrid Korosec im KURIER-Gespräch.

Die Seniorenbund-Präsidentin (ÖVP) appelliert an die Wirtschaft, gerade die Corona-Pandemie als Chance zu begreifen, um „Betriebe seniorenfit zu machen. Wir verbringen die Zeit der Pension wirklich nicht ausschließlich damit, auf einen Platz im Pflegeheim zu warten“, sagt die 80-Jährige, und: „Wir leben nicht nur länger, sondern auch gesünder.“

Entsprechend breit gestreut seien die Branchen, die davon profitieren können. „Allein bei den über 65-Jährigen nahmen die Online-Einkäufe seit der Pandemie europaweit enorm zu – besonders in Österreich mit einem Plus von 182 Prozent. Gleichzeitig hat die Generation, die ja keine Digital Natives sind, einen hohen Bedarf an Serviceleistungen wie Beratung, Hotlines und Kursen. Das bedeutet Jobs, sofern die IT-Branche bereit ist, sich auf die Älteren einzulassen.“

Eine andere Branche, die von der Generation 65 plus profitieren werde, so Korosec, sind kleinere Betriebe. „Für sie tut sich im Bereich der Adaptierungen von Altbau-Wohnungen oder Häusern an die Bedürfnisse älterer Menschen ein neuer Markt auf.“

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Handyman

Als Beispiel nennt die ÖVP-Politikerin Schiebetüren statt Türen mit Türangel, behindertengerechte Bäder oder Küchen. „Ich plädiere dafür, mehr und länger zu Hause zu leben, also so lange wie möglich die Selbstständigkeit zu erhalten.“ Damit das gelingt, sollte sich Österreich unter anderem ein Beispiel an den USA nehmen.

Österreichischer Seniorenrat/APA-Fotoservice/Schedl / Ludwig Schedl

Ingrid Korosec mit Peter Kostelka (Präsident des Pensionistenverbandes/SPÖ)

„Ich kann mich noch daran erinnern, dass es in jedem Haus einen Hausmeister gab. Die erledigten oft für die Parteien kleine Reparaturarbeiten. Heute muss man wegen eines tropfenden Wasserhahns den Installateur kommen lassen. In den USA wendet man sich in so einem Fall an einen Handyman, der sich um solche Kleinigkeiten kümmert. In Österreich gibt es erst ganz wenige solcher Firmen, aber immer mehr Menschen, die heilfroh über so einen Allrounder wären“, ist sich die Politikerin sicher.

Gemeinsamer Mittagstisch statt Essen auf Rädern

Wer in den eigenen vier Wänden lebt, nicht mehr kochen kann oder will, der soll – geht es nach Korosecs Vorstellung – nicht einzig auf „Essen auf Rädern“ angewiesen sein.

„In Zeiten von Corona wurde Take-away auch in Gruppen, die das bisher immer abgelehnt haben, populär. In Dänemark gibt es schon lange Bestrebungen, älteren Menschen einen gemeinsamen Mittagstisch in einem Restaurant schmackhaft zu machen. Das Essen dort kostet gleichviel wie Essen auf Rädern, die Restaurants haben zusätzliche Gäste, und die Menschen kommen aus dem Haus und haben Ansprache. Das ist eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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