„Sowjetische Mentalität“: Das ist Russlands neuer Verteidigungsminister

Politik

Er kommt aus jenem Lager, das für die raschen russischen Umgehungen der westlichen Sanktionen verantwortlich zeichnet.

 „In drei Tagen wird Kiew gefallen sein“ – eine Einschätzung, die sowohl viele westliche als auch russische Analysten am 24. Februar 2022 teilten. Zwei Jahre, zwei Monate, zwei Wochen und vier Tage später entließ Russlands Präsident Wladimir Putin jenen Mann, der seit den fehlgeschlagenen Angriffen auf Kiew, Charkiw und andere ukrainische Städte vor allem in der Kritik russischer Militärblogger und Söldnerführer stand: Verteidigungsminister Sergej Schoigu. 

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Bereits mit der Verhaftung seines Stellvertreters Timur Iwanow vor wenigen Wochen zeichneten sich Wechsel in der russischen Sicherheitspolitik ab, Putins Entscheidung vom Sonntag kam dennoch überraschend. Ebenso wie die Entscheidung, Andrej Belousow zum neuen russischen Verteidigungsminister zu machen.

Der 65 Jahre alte Wirtschaftswissenschafter hatte bisher mit dem Militär nicht viel am Hut, gilt jedoch als absoluter Verfechter einer staatsorientierten Industriepolitik. 

Angesichts der etwa 3,5 Millionen Russen in der russischen Kriegswirtschaft scheint dieser Schritt also durchaus logisch. „Er ist ein Mann, der zu vielen Dingen immer einen eigenen, wenn auch unpopulären Standpunkt hatte. Das ist wahrscheinlich genau das, was das russische Verteidigungsministerium heute braucht“, kommentiert etwa der russische Blogger „Rybar“ die Entscheidung. Grundsätzlich herrscht bei russischen Militärbloggern der Glaube daran, dass Belousow, der als „nicht korrumpierbar“ gilt, im russischen Verteidigungsministerium „aufräumen“ werde.

„alberne Vorstellung von Fairness“

7,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts gibt Russland für den Krieg in der Ukraine, beziehungsweise seine Rüstung aus – das sind derzeit etwa 120 Milliarden Euro. Belousows Aufgabe dürfte es vorrangig sein, diese Ausgaben so effizient wie möglich einzusetzen. 1999 trat Belousow in die russische Regierung ein, war Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Wirtschaftsberater Putins sowie stellvertretender Premierminister. Er kommt aus jenem Lager, das für die raschen russischen Umgehungen der westlichen Sanktionen verantwortlich zeichnet.

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„Er ist nicht dumm. Er hat einen mathematischen Verstand, aber seine Mentalität ist ziemlich sowjetisch. Er hat diese alberne Vorstellung von Fairness. Wenn jemand viel Geld verdient, dann muss man es ihm wegnehmen. Für meinen Geschmack ist das ein bisschen wie in China“, sagte ein ehemaliger hoher Kremlbeamter gegenüber der Financial Times.

Abnützungskrieg

Angesichts der Tatsache, dass der Krieg in der Ukraine seit mehr als zwei Jahren ein Abnützungskrieg ist, in dem es vorrangig darum geht, den Nachschub an Soldaten, Waffen und Munition aufrechtzuerhalten ergibt dieser Schritt des Kremls aus russischer Sicht Sinn. Ob es ihm gelingt, tatsächlich im korrupten Verteidigungsministerium aufzuräumen, wird die Zukunft zeigen.

Auf dem Schlachtfeld haben die russischen Streitkräfte seit Monaten die Initiative, mit der Bodenoffensive in der Provinz Charkiw haben sie die Front um 200 Kilometer verlängert – und zwingen die ukrainischen Streitkräfte zu einer breiteren Ausdehnung.

Dass sich die russische Kriegsführung durch Belousows Ernennung groß ändert, ist derzeit nicht absehbar. Generalstabschef und damit höchster Offizier bleibt nach wie vor Waleri Gerassimow, der seit Jänner 2023 auch den Oberbefehl über die russischen Streitkräfte in der Ukraine innehat.

APA/AFP/POOL/ALEXEY NIKOLSKY

Putin und Schiogu beim Fischen 

Schoigu wiederum wird von Putin nicht zwingend fallengelassen – er ist in Russlands Sicherheitsrat berufen worden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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