Spanien diskutiert mögliche Rückkehr von Skandalkönig Juan Carlos

Politik

Neues hat die jüngste Freigabe von Geheimakten zum versuchten Staatstreich franquistischer Militärs 1981 in Spanien nicht hervorgebracht. Sie hat aber eine politische Diskussion darüber entfacht, ob Alt-König Juan Carlos I. in seine Heimat zurückkommen dürfe.

Spaniens konservativer Oppositionsführer Alberto Núñez Feijoo (PP) stellte klar, die geheimen Unterlagen hätten eindeutig die wichtige Rolle untermauert, die der ehemalige Monarch bei der Verteidigung der damals noch jungen Demokratie und der Niederschlagung des Staatsstreichversuchs spielte.

Natürlich habe Juan Carlos I. in der Vergangenheit viele Fehler begangen, erklärte Oppositionsführer Feijoo speziell in Anspielung an die zahlreichen Finanz- und Steuerhinterziehungsskandale des spanischen Altkönigs. Seine politische Bilanz falle nach den neuen Erkenntnissen über seinen Einsatz bei der Verteidigung der Demokratie aber „außerordentlich positiv“ aus. „Dank ihm ist es seit 45 Jahren nicht mehr vorgekommen, dass jemand mit einer Waffe diesen Kongress betreten hat“, erklärte Feijoo laut spanischen Zeitungsberichten am Donnerstagabend beim Verlassen des Parlaments.

Rund fünf Jahre nach dem Tod von Langzeit-Diktator Francisco Franco versuchten Franco-treue Militärs am 23. Februar 1981 erneut eine Militärdiktatur einzusetzen. Neben dem spanischen Staatsfernsehen besetzte unter anderem eine paramilitärische Polizeieinheit der Guardia Civil unter Führung von Oberstleutnant Antonio Tejero das Parlament, wo gerade ein neuer Regierungschef gewählt werden sollte. Über 18 Stunden wurden die Abgeordneten als Geiseln gehalten.

König grub Francisten das Wasser ab

Es war damals der noch junge und von Diktator Franco selber eingesetzte König Juan Carlos I., der sich in einer nächtlichen Fernsehansprache für die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung – sprich der Demokratie – einsetzte und damit den Militärputschisten den Wind aus den Segeln nahm. In der Vergangenheit und vor allem im Zuge der zahlreichen privaten Skandale rund um Juan Carlos wurden jedoch immer häufiger Verschwörungstheorien bekannt, die sogar davon ausgingen, dass Juan Carlos anfangs mit den Putschisten unter einer Decke steckte oder deren politischen Ziele zumindest unterstützte.

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Wie die vor wenigen Tagen nun erstmals öffentlich zugänglich gemachten Dokumente beweisen, war dies aber nicht der Fall. Die enthaltenen Details der Umsturzplanungen zeigen sogar, wie Juan Carlos hinter den Kulissen die Fäden zog, um die putschenden Militärs zur Aufgabe zu bewegen. Mehr noch: Wie aus den Transkriptionen über die Kommunikation zwischen den beteiligten Militärs, Polizisten und Geheimdienstagenten deutlich wird, wäre der Monarch fast selber zum Opfer geworden. Einer der Putschisten äußerte die Meinung, König Juan Carlos werde seinen „selbstmörderischen Versuch, eine Regierung mit den Sozialisten zu bilden, fortsetzen und kann daher nicht als respektables Symbol gelten“. Aus diesem Grund schlussfolgert er, der Monarch sei ein Ziel, „das besiegt und neutralisiert werden muss“.

Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) zeigt sich der Forderung der Konservativen nach einer möglichen Rückkehr von Juan Carlos I. gegenüber offen, verweist aber darauf, dass hier das spanische Königshaus beziehungsweise Felipe VI. das letzte Wort haben. Präsidialminister Félix Bolaños stellte zudem klar, es sei ausschließlich eine „persönliche Entscheidung“ des ehemaligen Königs. Er wies jedoch darauf hin, dass sein früheres Fehlverhalten nicht durch die Veröffentlichung historischer Dokumente „ungeschehen“ gemacht werden könne.

Neben den Konservativen befürworten auch die Rechtspopulisten von Vox die Rückkehr des Ex-Monarchen, der ein Symbol und Opfer der „linken Geschichtsumdeutung“ sei. Die …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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