Standen bei Hymne nicht auf: Fußballfans in Hongkong verhaftet

Politik

Rund um den 35. Jahrestag des Tian’anmen-Massakers am 4. Juni kommt es in Hongkong täglich zu Festnahmen. Zwei aus Großbritannien abgestellte Richter traten deshalb am Donnerstag zurück.

Das Stadion war gut gefüllt an diesem Donnerstag, ein Menschenmeer aus Rot und Weiß. Auch das Team verkaufte sich gut: Die Fußball-Nationalmannschaft von Hongkong holte gegen den deutlich stärkeren Iran im Qualifikationsspiel für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ein beachtliches 2:4. Und doch schreibt die Sonderverwaltungszone im Anschluss an das Spiel weltweit wieder Negativschlagzeilen, in deren Folge sogar zwei bekannte Richter ihr Amt zurücklegten.

Drei Fans, zwei Männer und eine Frau im Alter von 18 bis 31 Jahren, wurden unmittelbar nach Spielende festgenommen. Weil sie, so die Erklärung der Hongkonger Polizei, „dem Spielfeld den Rücken gekehrt hatten und nicht aufgestanden waren“, als die chinesische Nationalhymne erklungen war. Seit die Regierung Ende März ein neues Sicherheitsgesetz verabschiedet hat, gilt das Beleidigen der Hymne als Verbrechen. Dass die drei Fans verurteilt werden, ist also wahrscheinlich – ihnen drohen bis zu drei Jahre Haft.

Über viele Jahre galt der Sport in Hongkong als Ventil für Unabhängigkeitsbefürworter. Seit die Stadt 1997 von Großbritannien als Sonderverwaltungszone an die Volksrepublik China zurückgegeben wurde, muss bei Sportveranstaltungen die chinesische Hymne abgespielt werden – ein Moment, der von chinakritischen Hongkongern regelmäßig dazu genutzt wurde, die Hymne auszubuhen.

Hongkongs Justiz will Kritiker rund um den Gedenktag des Tian’anmen-Massakers zum Schweigen

Seit Chinas Regierung 2019 ein nationales Sicherheitsgesetz über Hongkong verhängte und die breiten Demokratieproteste niederschlagen ließ, ist jeglicher Ausdruck des zivilen Widerstands selten geworden. Mit dem neuen, diesmal von der Hongkonger Regierung selbst ausgerufenen Sicherheitsgesetz Ende März bieten etliche, schwammig formulierte Straftatbestände den Behörden Möglichkeiten zur willkürlichen Verfolgung von Kritikern.

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Besonders in diesen Tagen, rund um den 35. Jahrestag des Tian’anmen-Massakers, wird das deutlich. Am 4. Juni 1989 schlug die chinesische Volksbefreiungsarmee friedliche Studentenproteste am Platz des Himmlischen Friedens in Peking gewaltsam nieder; töteten dabei tausende Zivilisten. In Hongkong, wo bis 2019 noch jährlich Gedenkfeiern stattfanden, kam es schon Tage vor dem traurigen Jubiläum zu zahlreichen Festnahmen, erst am vergangenen Freitag wurden 14 Demokratieaktivisten wegen Hochverrats verurteilt.

Am Dienstag, dem Gedenktag des Massakers, wurde etwa der Performancekünstler Chen Sanmu festgenommen, weil er mit seinem Finger die Zahlen „8964“ in die Luft gemalt hatte – aus Sicht der Polizei zählt das bereits als „Störung der öffentlichen Ordnung“. In diesem Zusammenhang ist auch die Härte zu sehen, mit der am Donnerstag gegen die Fußballfans vorgegangen wurde: Widerstand gegen das Mutterland China hat im heutigen Hongkong keinen Platz mehr.

Zwei seit 1997 abgestellte britische Richter treten wegen der „politischen Situation“ zurück

Mit dem Ende vieler persönlicher Freiheiten für die rund sieben Millionen Einwohner endet auch der Status Hongkongs als Vorzeige-Rechtsstaat, der die Stadt über viele Jahrzehnte zum wichtigsten Wirtschafts- und Handelszentrum Asiens machte. Als ehemalige britische Kolonie gilt in Hongkong bis heute ein Rechtssystem, das an das britische angelehnt ist. 

Das Hongkonger Höchstgericht ist seit der Rückgabe Hongkongs an China zum Teil mit internationalen Richtern besetzt, die für große Prozesse eingeflogen werden. So sollte ursprünglich die Unabhängigkeit der Justiz gewährleistet werden. Doch weil Verstöße gegen das Sicherheitsgesetz …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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