Sudan: „Wenn du zum falschen Stamm gehörst, schießen sie“

Politik

Hunderttausend Menschen flohen in den Südsudan. Doch das ärmste Land der Welt kann diese Aufgabe kaum stemmen. Der KURIER war vor Ort.

Millionen Sudanesen sind auf der Flucht. Hunderttausende – die Angaben reichen von 500.000 bis 700.000 Menschen – flüchteten in den benachbarten Südsudan, den jüngsten und ärmsten Staat der Welt.

2011 hatte sich der (mehrheitlich christliche) Südsudan vom (mehrheitlich muslimischen) Sudan abgespalten. Doch von der damaligen Euphorie ist wenig übrig. Das Land kämpft mit Hunger, Armut und Korruption. Jedes dritte Kind stirbt an Unterernährung.

Die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Nachbarland stellt den Südsudan vor eine besondere Herausforderung.

Moschee als Flüchtlingslager

Im muslimischen Viertel der Hauptstadt Juba sind zahlreiche Geflüchtete in einer Moschee untergebracht. Ihr weniges Hab und Gut liegt in Säcken in einem Eck. Männer sind getrennt von Frauen und Kindern untergebracht. Die Menschen schlafen auf Teppichen auf dem Boden. Die hygienischen Bedingungen sind fatal. Krankheiten, aktuell vor allem Augeninfektionen, breiten sich auf dem engen Raum rasch aus.

Der 28-jährige Mohammed Ibrahim kam vor einem Monat hier an. Seine Familie befindet sich noch im Sudan. „Ich bin in Kontakt mit ihnen. Sie sagen, dass es ihnen gut geht. Aber ich weiß, dass es ihnen nicht gut geht“, erzählt der junge Mann. Seine Schwester, erzählt er, sei aus einem vorbeifahrenden Auto beschossen worden. „Sie hat überlebt. Aber die Kugel ist noch immer in ihrem Körper.“

Reibenwein Michaela

Ibrahims Schwester wurde angeschossen

Verwandte starben

Viele der hier Gestrandeten haben Gewalttaten gesehen oder erlebt. Auch die 22-jährige Iman aus Khartum. Sie floh gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern. „Es war nicht mehr sicher“, beschreibt sie. „Wir haben um unser Leben gefürchtet.“ Viele Menschen seien gestorben. „Auch einige Verwandte.“

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Reibenwein Michaela

Iman verlor einige Verwandte

Osman Adem arbeitete im Sudan als Wasser-Ingenieur. Doch das sei nicht mehr möglich gewesen. „Es gibt nichts mehr. Keine Wirtschaft, keine Bildung. Alles ist zerstört. Ich bin obdachlos.“ Er sei froh, nach seiner zehntägigen Flucht hier aufgenommen worden zu sein. „Aber ich habe nichts mehr. Kein Geld. Nichts.“

Für einige ist die Moschee in Juba nur ein Zwischenstopp. Sie wollen weiterziehen – zu Verwandten, etwa in Uganda. Andere hoffen, dass der Krieg in ihrer Heimat in absehbarer Zeit zu Ende geht. „Ich will möglichst schnell wieder zurück“, sagt etwa Mohammed Ibrahim.

Die Gestrandeten im Flüchtlingscamp in Yambio sehen das weniger optimistisch. „Das wird nicht schnell vorbei sein“, fürchtet Dafallah Al Taib. Als die Kämpfe in Al-Dschazira ankamen, floh er mit seiner Frau und den neun Kindern. „Die Straßen waren geschlossen, es war wirklich schwer, aus dem Kriegsgebiet zu kommen. Wir hatten großes Glück.“ Gewalt sei allgegenwärtig. Gegen Frauen, gegen Ethnien. „Wenn du zum falschen Stamm gehörst, schießen sie auf dich“, erzählt der Geflüchtete. „Wenn du Glück hast, rauben sie dich nur aus.“

Er beobachtet die Lage in seiner Heimat. Doch er traut den Nachrichten nicht. „Manche Dörfer wurden angeblich befreit. Andere ausgelöscht. Aber das stimmt nicht. Das ist alles Propaganda.“

Khaltoum Adem Yahida sitzt mit ihrem Säugling auf einem Stein. Die 22-Jährige blickt ins Leere, wenn sie über ihre Flucht erzählt. „Die Situation ist fürchterlich“, berichtet sie. „Wir haben alles zurückgelassen.“ Auch hier …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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