Taiwanesen bleiben trotz chinesischer Bedrohung ruhig

Politik

Keine Hysterie, aber Vorbereitung: Kurse in Zivilverteidigung werden spontan besucht. Auch Anleger sind wenig beeindruckt.

Ballistische Raketen landen in Gewässern um Taiwan. Militärflugzeuge und Drohnen testen die Flugabwehr. Chinesische Kriegsschiffe schießen nahe der demokratischen Inselrepublik mit scharfer Munition. Schon lange gilt Taiwan als „der gefährlichste Ort der Welt“, wie das Magazin „The Economist“ einmal titelte. Die Gefahr eines möglichen Krieg ist den 23 Millionen Taiwanesen schon lange nicht mehr so nahe gerückt wie jetzt.

Doch im Auge des Sturms herrscht Ruhe – ja, auch Unbehagen, Sorge, aber vor allem Trotz und auch Stolz auf die „Insel der Widerstandskraft“, wie sie die US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrer Visite in Taipeh rühmte. Die groß angelegten Militärmanöver als Reaktion auf ihren Besuch haben die Taiwaner nur noch mehr gegen China aufgebracht. „Echt schlimm“, sagt die Kellnerin eines Cafés in Taipeh.

Doch die Taiwanesen sind das Säbelrasseln der Kommunisten gewohnt, gehen ihrem normalen Leben nach. Sie sind es leid, von Peking nur als Teil der Volksrepublik behandelt zu werden. Trotz der Spannungen, den größten seit Mitte der 1990er-Jahre, äußern viele Unterstützung für den Besuch Pelosis – den ranghöchsten aus den USA in Taipeh seit einem Vierteljahrhundert.

„Anfangs war ich besorgt, aber jetzt bin ich stolz, das Pelosi nach Taiwan gekommen ist“, sagt Cindy Chou, Personalmanagerin eines Hightech-Unternehmens. „Sie versuchen nur, uns zu erschrecken. Warum sollen wir zulassen, dass sie Erfolg haben?“, sagt Frau Tseng, Sekretärin einer Berufsvereinigung zu den Manövern. „Ich fühle mich bedroht, aber lehne es ab, Angst zu haben, weil das ihr Ziel ist.“

  Ecuadors Präsident verhängt den Ausnahmezustand

Viele Taiwanesen besuchen spontan Kurse in Zivilverteidigung, lernen, wie die Sicherheitslage ist, was im Falle einer Invasion getan oder wie Erste Hilfe geleistet werden kann. Lin Hsin-yi, Generalsekretärin einer regierungsunabhängigen Organisation, berichtet, viele ihrer Mitarbeiter hätten an Kursen teilgenommen oder wollten sie besuchen. „Die Tatsache, dass wir nicht hysterisch sind, bedeutet nicht, dass wir uns der Lage nicht bewusst sind und keine Vorbereitungen treffen.“

Wenig beeindruckt von den seit langem größten militärischen Muskelspielen Chinas zeigten sich auch die Anleger an der Börse in Taipeh, die früher in solchen Lagen schon mal eingebrochen war. Nach etwas Nervosität, aber nur leichtem Rückgang, klettert der Index am Freitag wieder um 2,3 Prozent – trotz der Bilder der Schießübungen und einer versuchten See- und Luftblockade durch China im Fernsehen.

„Ich habe keine Angst, aber einige meiner Freunde fühlen sich unbehaglich und unsicher“, sagt Frau Yen, PR-Managerin eines großen Bauunternehmens. Wer wisse denn, ob die Militärübungen wirklich wie angekündigt an diesem Sonntag enden? Und es könne auch niemand sicher sein, dass Raketen, die über Taiwan geschossen werden, „nicht auch mal hier landen“. Einen Schmusekurs wie den des früheren Präsidenten Ma Ying-jeou, der eine Annäherung an China vorangetrieben hatte, lehnt sie aber ab: „Niemand hatte was davon – außer dass prochinesische Geschäftsleute profitierten und Taiwan von der Weltbühne verschwand.“

Die heutige Präsidentin Tsai Ing-wen sei „zurückhaltend und konzentriert sich auf die Wahrung des Status quo“, lobt Frau Yen. Taiwan habe mit seinem Kampf gegen die Pandemie und seiner Hilfe für andere Länder „einige Präsenz in der Welt zurückgewonnen“. „Pelosis Besuch hatte einige …read more

  Visa-Vergabe für Russen soll eingeschränkt werden

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.