Taliban erlauben Evakuierung von über 200 Menschen

Politik

Zum ersten Mal seit dem endgültigen Abzug amerikanischer Truppen aus Kabul genehmigen die Taliban dem Westen, Menschen zu evakuieren.

211 Doppel-Staatsbürger soll laut einem Bericht der „Washington Post“ erlaubt worden sein, am Donnerstag aus Kabul auszureisen. Auf der genehmigten Passagierliste eines Fluges der katarischen Fluglinie Qatar Airways stünden die Namen von Staatsbürgern aus Deutschland, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und der Ukraine. Es sei aber unklar, wie viele davon rechtzeitig einen Konvoi zum Flughafen erreicht hätten.

Die militärische Evakuierungsmission in Kabul war Ende vergangenen Monats mit dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan beendet worden. Seitdem bemühen sich westliche Länder, ihren Staatsangehörigen und ihren früheren afghanischen Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen. US-Außenminister Antony Blinken hatte die Taliban am Mittwoch aufgefordert, ihre Zusage einzuhalten, Afghanen mit entsprechenden Reisedokumenten ausreisen zu lassen.

Kritik an Taliban-Regierung

Seit ihrer Machtübernahme in Afghanistan geben sich die Taliban betont moderat. Doch spätestens seit der Vorstellung ihrer Interimsregierung in dieser Woche gibt es erhebliche Zweifel, ob die Islamisten zur Achtung grundlegender Menschenrechte bereit sind. Anstelle des versprochenen „inklusiven“ Kabinetts hat Afghanistan eine Regierung, die ausschließlich aus Männern mit langjähriger Taliban-Karriere besteht. Die konkrete Politik der Taliban bleibt vage.

Der Westen pocht auf die Einhaltung der grundlegenden Menschenrechte in Afghanistan – und macht insbesondere die Gewährung von Frauenrechten zur Voraussetzung für eine Fortsetzung wirtschaftlicher Hilfen für Afghanistan. Während ihrer Schreckensherrschaft von 1996 bis 2001 hatten die Taliban Frauen massiv unterdrückt.

Eingriff in Frauenrechte

Die neue Taliban-Führung hat eine weniger strikte Auslegung des islamischen Rechts zugesagt. Laut einem Dekret sollen Frauen „im Einklang mit den Prinzipien des Islam“ arbeiten dürfen. Was dies genau bedeutet, bleibt jedoch unklar. Es wurden bereits Klagen von Frauen in Afghanistan laut, dass ihnen für ihre Arbeit einfach kein Lohn mehr ausgezahlt werde.

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Anspruch auf eine Hochschulbildung sollen Frauen ebenfalls haben. Allerdings soll die universitäre Lehre nach Geschlechtern getrennt erfolgen. Zudem müssen Frauen an der Uni eine Abaya, ein islamisches Überkleid, tragen und ihr Gesicht mit einem Nikab verschleiern. Auch das Treiben von Sport ist Frauen weitgehend verboten.

Presse- und Meinungsfreiheit

Die Taliban haben angekündigt, dass Journalisten und Journalistinnen ihrer Arbeit weiterhin nachgehen dürften. „Wir werden die Pressefreiheit respektieren“, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid der Organisation Reporter ohne Grenzen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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