Traurige Premiere: Der Wald als Treibhausgas-Verursacher

Politik

2018 und 2019 hat unser Wald mehr CO2 emittiert, als aufgenommen

Normalerweise sind Bäume und Wälder eine wirksame Waffe gegen den Klimawandel: Sie ziehen das Kohlendioxid (CO2) aus der Luft, lagern den Kohlenstoff (C) im Holz und im Waldboden ein und setzen den Sauerstoff wieder frei. Normalerweise.

Vergangenen Juni brachte der KURIER einen Artikel, der die Möglichkeit diskutierte, dass der Wald in Österreich immer weniger CO2 aufnimmt und langsam zu einer CO2-Quelle werden könnte, also keine Senke mehr ist. Die damals vorhandenen Daten zeigten in die Richtung, dass Österreichs Wälder immer weniger CO2 aufnehmen. Als Gründe genannt wurden, etwa vom Bundesforschungszentrum für Wald: Eine extensive Waldnutzung, Trockenheit und Hitze, die Bäumen Stress erzeugen, sodass sie kaum wachsen, und direkte Klimafolgen wie Borkenkäferbefall oder Windwurf durch Stürme.

Am Montag wurden die neuesten Daten zu Österreichs Treibhausgas-Bilanz des Jahres 2021 veröffentlicht. Es waren grundsätzlich keine guten Nachrichten, der Treibhausgas-Ausstoß stieg wieder 2021 im Vergleich zum Lockdown-Jahr 2020, gegenüber 2019 zeigten die Daten von 2021 immerhin ein kleines Minus.

Die Bilanz offenbarte aber auch etwas anderes: Die Art, wie der Wald als CO2-Senke kalkuliert wird, wurde den neusten Vorgaben entsprechend neu berechnet. Und dabei zeigte sich: 2018 und 2019 haben Österreichs Wälder tatsächlich mehr CO2 abgegeben, als sie aufnehmen konnten.

Konkret:

2017 zeigt die Bilanz der Treibhausgase, dass Österreichs Wald rund 3,4 Millionen Tonnen CO2 aufnahm.
2018 drehte sich die Bilanz erstmals in der Geschichte. Bilanziell gab Österreichs Wald um 5,024 Millionen Tonnen mehr CO2 an die Atmosphäre ab, als er aufnehmen konnte.
2019 ein ähnliches Bild, da gab der Wald rund 1,72 Millionen Tonnen mehr ab, als er CO2 aufnahm.
2020 und 2021 war die Waldbilanz wieder negativ, es wurde mehr CO2 im Wald „versenkt“ als emittiert.

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Aber wie kann der Wald mehr CO2 abgeben, als er aufnimmt?

„Die Ergebnisse der Österreichischen Waldinventur zeigen, dass die Waldfläche und der Holzvorrat in Österreich seit den 1961 Jahren kontinuierlich zunehmen. Der Anstieg der Zunahme flacht seit 2000 jedoch ab“, erklärt Christian Lackner vom Bundesforschungszentrum für Wald. „In einem Trockenjahr ist der Zuwachs der Bäume relativ klein, wenn dann auch noch vermehrt Schadholz durch Käfer oder Stürme anfällt und damit die Holznutzung überdurchschnittlich hoch ist, dann ist die Speicherleistung des Waldes sehr gering.“ Generell geltet: „Wird die globale Erderwärmung nicht begrenzt, ist ein dauerhafter Erhalt des Waldes als CO2-Senke nicht möglich.“

Das Umweltbundesamt erklärt die Entwicklung genau so: „Aufgrund der Neuberechnungen wurden die (..) Waldflächen erstmals seit Beginn der Berichterstattung zu Netto-Treibhausgas-Quellen in einzelnen Jahren, nämlich 2018 und 2019. Die Nettoquellenwerte in diesen Jahren erklären sich durch hohe Holz-Ernteraten und durch natürliche Störungen und geringe witterungsbedingten Zuwachs“.

Auf KURIER-Nachfrage bestätigt das Landwirtschaftsministerium von Norbert Totschnig,  dass 2018 und 2019 zwar als Emissionsjahre ausgewiesen werden – „eben aufgrund neuer Berechnungsmethoden wie auch aufgrund extremer Witterungsverhältnisse, Schädlinge und einer hohen Schadholzmenge bei geringerem Biomassezuwachs“. Mittlerweile sei der Wald aber wieder eine Kohlenstoffsenke. Ziel sei, die Resilienz des Waldes zu stärken.  Hierfür hat Totschnig einen  „Waldfonds“ geschaffen, der mit 350 Millionen Euro dotiert ist.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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