
Eigentlich hatte Viktor Orbán auf den US-Präsidenten persönlich gehofft. Noch Anfang Jänner hatte ihm Donald Trump in einem Brief für seine beispielhafte, „mutige Führungsrolle“ gedankt, für die Verteidigung von „Glaube, Familie und Souveränität“. „Amerika bewundert diesen Mut“, schrieb Trump und kündigte an, sein Team werde einen Besuch in Budapest planen.
Dass nun „nur“ US-Vizepräsident JD Vance anreiste, um Orbán im Wahlkampfendspurt Schützenhilfe zu geben – immerhin der ranghöchste Besuch eines US-Regierungsvertreters seit Langem –, hinterlässt dennoch den fahlen Beigeschmack der zweiten Wahl. Vance lobte Orbán am Dienstag dennoch in den höchsten Tönen: „Ungarn ist unter seiner Führung ein Beispiel dafür, wie konservative Werte und staatliche Souveränität in einer modernen Welt bestehen können.“ Der EU warf Vance in einer Rede „Wahl-Einmischung“ vor: „Die Bürokraten in Brüssel“ hätten „alles in ihrer Macht Stehende getan, um das ungarische Volk klein zu halten, weil sie den Regierungschef nicht mögen, der sich tatsächlich für das ungarische Volk einsetzt“.
Orbán hat es als Staatschef eines kleinen, 9,5 Millionen Einwohner Landes mit, das viele US-Amerikaner wohl kaum auf einer Landkarte verorten können, geschafft, enge Verbindungen zu (auch autoritären) Staatschefs globaler Mächte aufzubauen und sich selbst als „Global Player“ zu inszenieren. Heute gilt er vielen als Begründer eines neuen Rechtsnationalismus, als Kämpfer gegen einen globalen Liberalismus, der auf Einwanderung statt Geburtenraten setze und Traditionen und christlichen Konservatismus zugunsten einer LGBTQ+-Agenda verdränge. Ein Bild, das auch in der MAGA-Bewegung von Trump weit verbreitet ist.
Für Orbáns internationale Popularität sorgen bewusst auch englischsprachige, in Ungarn ansässige Onlinemagazine wie der Hungarian Conservative. Rund 60 Prozent der Leserschaft sitzen in den USA.
Orbáns Erfolg basiert auch darauf, dass er Ungarn trotz Mitgliedschaft in einem demokratischen Staatenbund, der EU, systematisch umgebaut hat – hin zu einer „illiberalen Demokratie“, wie er es selbst nennt.
Große Ambitionen für Europa
Nach seiner Wiederwahl 2010, als er erstmals eine Zweidrittelmehrheit errang, baute Orbán bewusst ein politisches System, das einen Machtwechsel deutlich erschwert: Wahlkreise wurden neu zugeschnitten, Mehrheiten für Gesetzesänderungen erhöht, Mandatsregeln angepasst, Institutionen personell neu besetzt, Amtszeiten verlängert und die Medien unter Kontrolle gebracht. Ein Modell, das Rechtsnationalisten in ganz Europa und darüber hinaus inspiriert.
Hinzu kommt, dass Orbán europäische Rechtsparteien aktiv unterstützt und finanziell sponsert. So erhielt Marine Le Pens Rassemblement National im Präsidentschaftswahlkampf 2022 einen Kredit über 10,6 Millionen Euro von der Bank MKB, die teilweise Orbáns Jugendfreund und reichsten Mann Ungarns, Lőrinc Mészáros, gehört. Auch die spanische Partei Vox bekam finanzielle Unterstützung für ihren Europawahlkampf 2024. Le Pen hat den Kredit inzwischen vollständig beglichen.
Umgekehrt erhält Orbán Finanzspritzen von den Rechtskonservativen aus den USA: Seit fünf Jahren findet die rechtskonservative CPAC-Konferenz auch in Budapest statt. Einmal jährlich reisen rechte Politiker und Aktivisten aus Europa und den USA an, um sich zu vernetzen und gegenseitig zu bestärken. Heuer mit dabei: der Niederländer Geert Wilders, FPÖ-Chef Herbert Kickl, der ehemalige polnische Premier Mateusz Morawiecki, AfD-Chefin Alice Weidel und der argentinische Präsident Javier Milei.
Auch im Mathias Corvinus Collegium, kurz MCC, eine von der ungarischen Regierung großzügig unterstützten Bildungseinrichtung und Denkfabrik, unterhält enge Kontakte zu Rechtskonservativen in den USA. Konservative, US-amerikanische Redner werden eingeladen und gefördert, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



