Volker Quaschning im Interview: Warum der Verbrenner-Kauf heute Geldverschwendung ist

Politik

Vorsicht Falle? Längst sind Gesetze beschlossen, die Sprit in Form von CO2-Abgaben ab 2027 EU-weit jedes Jahr teurer machen werden. Aber wie wird es beim EU-Klimaschutz weitergehen?

Vieles ist beim Klimaschutz derzeit unklar, zudem kursieren viele falsche Gerüchte und Fake News. Um das etwas besser einordnen zu können, erklärt der Berliner Forscher Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin), wo die Probleme und wo die Lösungsansätze sind. Der KURIER hat ihn anlässlich eines Vortrages in Wien interviewt.

KURIER: In Brüssel wird gerade eine neue EU-Kommission gebildet, und mit ihr die Frage, welche Richtung beim Green Deal die EU weiterverfolgen wird. Was wäre denn aus Ihrer Sicht notwendig, angesichts eines Plus der Rechtspopulisten und eines Minus bei Grün-Parteien bei der EU-Wahl?
Volker Quaschning: Das wird eine spannende Frage, denn die Parteien wollen von Ursula von der Leyen ja sehr unterschiedliche Zusagen. Die Populisten wollen teils zurück zu Öl und Gas, das wäre natürlich fatal, aber die haben auch keine Mehrheiten im EU-Parlament, und können daher nichts umsetzen. Aus meiner Sicht macht eine Fortsetzung des Green Deals, wenn man schon das Klima nicht ganz oben auf seiner Agenda hat, auch aus wirtschaftspolitischen Gründen Sinn. Deshalb glaube ich auch, dass der Green Deal weitergehen wird.

Bei uns, und auch bei den deutschen Christlich-Sozialen, geht man davon aus, dass das Zulassungsverbot von Verbrenner-Neuwagen ab 2035 wieder fällt. Denken Sie, das wird passieren?
Nein. Was mir da am meisten Sorgen macht, ist dass dieser Populismus die Menschen zu Fehlentscheidungen verleitet. 2023 hatten wir in Deutschland die Diskussion um die Gasheizungen gehabt, die durch Wärmepumpen ersetzt werden sollen. Da gab es dann einen riesigen Aufstand, vor allem durch die Springer-Presse (u.a. Bild-Zeitung, Anm.), die AfD, aber auch die CDU/CSU sprangen mit auf. Da gab es eine regelrechte Hasskampagne gegen die Wärmepumpe, ich wurde als grüner Nazi beschimpft. Und die Folge war, dass fast 900.000 Öl- und Gasheizungen verkauft wurden in Deutschland, so viele wie noch nie, weil alle Leute so verunsichert wurden. Beim Verbrenner-Aus könnte etwas Ähnliches passieren.

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Warum sind das dann Fehlentscheidungen, wenn man Gasheizung oder Verbrenner kauft?
Weil beides den Klimaschutz unmöglich macht und bald extrem teuer werden wird. Ein Auto kann man vielleicht noch verkaufen in ein paar Jahren, eine eingebaute Gasheizung sicher nicht. Keine Partei, wenn sie an die Regierung kommt, wird am dem Thema vorbeikommen. Sie werden Klimaziele einhalten müssen, wenn sie das nicht machen, wird es Gerichtsurteile geben. Und dann kann man sich die Physik anschauen, welche Technologien unsere Probleme lösen können, und das wird weder der Verbrenner noch die Gasheizung sein. Wir werden uns also früher oder später davon verabschieden. Das Problem ist nur, die aktuellen Diskussionen werfen uns wieder um Jahre zurück. Und 2035 wird niemand mehr über Verbrenner sprechen, weil dann die Chinesen den Weltmarkt mit preiswerten Elektroautos überrollt haben werden.

Aber fehlt in der Verbrenner-Debatte nicht der Hinweis, dass die CO2-Bepreisung 2027 in das Emissionshandelssystem II der EU übergehen wird? Die Financial Times hat dazu kürzlich einen Bericht, dass man etwa 2031 mit einem Plus …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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