Waffen aus dem Westen: Warum Russland in der Ukraine den längeren Atem hat

Politik

Die Lieferung von Panzern ist zur Kernfrage für den Westen und die Ukraine geworden. Was braucht das Land für den Krieg – und wie geht der weiter?

Rund 20 Tonnen hat ein Kampfpanzer – ähnlich schwer lastet der Streit um dessen Lieferung an die Ukraine auf der NATO. Bei einem Treffen auf dem US-Stützpunkt im deutschen Rammstein gingen am Freitag die Wogen zwischen den Verteidigungsministern hoch. Im Brennpunkt des Streits: Die USA, die auf Lieferung des deutschen Kampfpanzers Leopard drängen, und Deutschland, das zögert. Was kann die Lieferung der Panzer für die Ukraine bringen – und welche anderen Waffensysteme wären für militärische Erfolge notwendig? Mit Oberst Markus Reisner, dem Strategie-Experten des Bundesheers, sucht der KURIER eine Antwort.

Bundesheer/Kurt Kreibich

Markus Reisner

 

Wie steht die Ukraine militärisch da? Nur westliche Waffenlieferungen machen für die Ukraine eine Fortsetzung des Krieges möglich. Hatte man im Sommer den Großteil der eigenen Bestände verbraucht, waren es bei der Offensive im Herbst die aus Tschechien, oder Polen gelieferten Waffen aus früheren Ostblock-Beständen. Für neue Offensiven sind jetzt weitere Lieferungen nötig. Jetzt aber geht es um Waffen westlicher Bauart.

Warum ist die Frage der Panzer so zentral? Die Ukraine bereitet zwei Offensiven im Osten und im Südosten des Landes vor. Um die von den Russen verteidigten Gebiete einzunehmen, sind Kampfpanzer – rund 300 Stück – notwendig. Nur sie haben die Angriffskraft, um diese Gebiete unter Kontrolle zu bringen. Dazu fordert die Ukraine etwa 600 Schützenpanzer und 600 Artilleriegeschütze. Diese Zahlen sind Ergebnis militärischer Überlegungen, nicht frei gewählt.

  Philippa und Heinz-Christian Strache geschieden

APA/AFP/MATEUSZ SLODKOWSKI

Bleibt in den USA: Der amerikanische Abrams-Kampfpanzer

 

Die USA sind der Hauptlieferant an Waffen. Wie ist deren Strategie? Die USA haben seit Kriegsbeginn die Menge Waffen geliefert, die die Fortsetzung des Krieges möglich macht, aber einen durchschlagenden Erfolg der Ukraine nicht. Sie haben kein Interesse daran, dass der Konflikt mit Russland eskaliert, dass der Westen zu stark involviert wird. Das könnte Moskau den Grund liefern, um Atomwaffen einzusetzen. Man will keine rote Linie überschreiten. Deutlich wurde das etwa beim Rückzug der Russen aus Cherson, der ihnen ermöglicht wurde, ohne sie unter Feuer zu nehmen und schwere Verluste zu verursachen. Auch dass Washington keine Kampfjets, keine Tiefflieger oder weitreichende Raketen liefert, ist Teil dieser Strategie.

Was aber bedeutet das für die Ukraine?Die ukrainischen Streitkräfte werden inzwischen seit Jahren nach den Prinzipien westlicher Militärs ausgebildet – etwa in Großbritannien, oder den USA. Das macht sie deutlich beweglicher als die russische Armee, die nach einer anderen Militärdoktrin vorgeht. Das hat der Ukraine vor allem in der Anfangsphase dieses Krieges deutliche Vorteile gebracht. Jetzt aber stehen ihre Streitkräfte mit ihren geplanten Offensiven zunehmend unter Zeitdruck. Man wird rasche Erfolge brauchen, daher der Ruf nach mehr Waffen und auch mehr Munition.

Und für die Russen?Die russische Armee hat den Ukrainern vor allem an der Front im Osten einen Abnützungskrieg aufgezwungen, der stark an die Vernichtungsschlachten der beiden Weltkriege erinnert. Bei dieser Art der Kriegsführung, bei der etwa massiv Artillerie eingesetzt wird, ist flächendeckende Zerstörung, hoher Verschleiß von Waffen und Material und hohe Anzahl von Todesopfern, grundlegender Teil der Taktik. Bei dieser Art der Kriegsführung sind die …read more

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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