Wahlkampf in Deutschland: Warum Armin Laschet jetzt auf Friedrich Merz setzt

Politik

Der Unionskanzlerkandidat will den Ex-Rivalen ins Team holen – um Kritiker zu befrieden und die Wahlchancen zu erhöhen

Armin Laschet, Kanzlerkandidat für CDU/CSU, werden so einige Schwächen attestiert: Er sei zögerlich und unentschlossen, wodurch er im Pandemiemanagement Patzer lieferte. Zudem würde er keine Begeisterungsstürme auslösen, was sich in seinen mickrigen Umfragewerten niederschlägt. Dennoch hat Laschet einen Vorteil: Er kann mit allen und versteht es, politische Rivalen einzubinden.

Zum Beispiel Jens Spahn. Der Gesundheitsminister hegte schon länger Ambitionen auf den CDU-Parteivorsitz und wurde von Laschet kurzerhand zum Tandem-Partner erklärt. So wurde aus den Konkurrenten ein Team. Ähnlich könnte es jetzt mit Friedrich Merz kommen.

Beide kennen einander und lange. 2018 machte ihn Laschet als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zum Brexit-Beauftragten für Unternehmen, ehe er mit ihm um den CDU-Vorsitz konkurrierte. Laschet, der sich als Anti-Merz verkaufte („Polarisieren ist einfach“), setzte sich nur knapp gegen ihn durch – ähnlich wie Annegret Kramp-Karrenbauer vor zwei Jahren. Schon damals offenbarte sich, wie gespalten die CDU ist. Ein Zustand, der auch im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur zwischen Laschet und Markus Söder zutage trat.

Merz im Mannschaftskader

Mit der Ansage, Merz in sein Team zu holen, geht er auf seine Kritiker ein, wie in Baden-Württemberg, dem zweitgrößten Landesverband. „Friedrich Merz gehört für mich fest in den Mannschaftskader der Union für die Bundestagswahl“, wird Laschet aus einer Videokonferenz mit dem Landesverband zitiert. Gleichzeitig räumte er ein, dass es mit Norbert Röttgen und Jens Spahn weitere Aspiranten auf Top-Jobs gibt – alle seien aber: „Mann, katholisch, Nordrhein-Westfalen“. Es müsse Diversität geben, so Laschet. Merz sei dennoch eine andere Kategorie – er könne Menschen begeistern.

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Merz hat nicht nur in der Südwest-CDU Fans, sondern auch in Ostdeutschland. Am 6. Juni wird in Sachsen-Anhalt gewählt, und hat bereits Wahlkampfhilfe zugesagt. Genauso wie Markus Söder, den sich viele als Kanzlerkandidaten gewünscht hätten. Beide bedienen dort mehrere Sehnsüchte: Rückbesinnung auf Kernwerte, Führung von vorne, Klartext und bessere Aussichten Grüne und AfD zu bekämpfen.

Auch Merz profitiert

Dass beide nicht miteinander können, ist eine andere Geschichte. Unter Söder, heißt es, würde Merz keine Rolle spielen. Im Team Laschet scheint sogar ein Ministerposten möglich zu sein. Merz, dessen Karriere als Unionsfraktionschef lange zurückliegt (2000–2002), kandidiert im Herbst für den Bundestag. Im Duell um die K-Frage stellte er sich hinter Laschet und kritisierte Söder.

Dieser lästerte jüngst in der Süddeutschen Zeitung. Er hoffe, dass Laschets Team „nicht nur aus Merz und Maaßen“ bestehe. Und legte nach: „Keiner will die alte Union aus den 90er-Jahren zurück.“ Vor allem die Nominierung Maaßens für den Bundestag sei für Söder ein „schwieriges Signal“.

Der Ex-Verfassungsschutzchef soll auf Wunsch der Südthüringer CDU im Wahlkampf die AfD in Ostdeutschland zurückdrängen. Maaßen, der durch sein Anzweifeln an Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz bekannt wurde, ist in der CDU stark umstritten, gilt als zu AfD-freundlich. Was Laschet vor Maaßens Nominierung am Freitag zu einer Warnung veranlasste: „Mit der AfD wird nicht koaliert, nicht kooperiert, nicht verhandelt, nicht einmal gesprochen.“

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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