Warum Ägypten Israels Plan für Palästinenser strikt ablehnt

Politik

Zivilisten sollen laut dem Plan in 15 Zeltstädte im südwestlichsten Teil des Gazastreifens gebracht werden, jede einzelne davon soll rund 25.000 Menschen vorübergehend Unterkunft bieten.

Sofort nach dem 7. Oktober, als Hamas-Terroristen aus Gaza Israel überfallen, an die 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 entführt hatten, ahnte die Führung in Ägypten, was nun kommen würde: ein gewaltiger militärischer israelischer Gegenschlag – und damit das Risiko, dass Palästinenser aus dem Gazastreifen nach Ägypten fliegen könnten. Wenige Tage später wurde deshalb damit begonnen, die ägyptische Grenzmauer zum Gazastreifen zu verstärken, bis zu sechs Meter hoch, oben drauf wurde noch Stacheldrahtzaun gepackt.

In den vergangenen Tagen hat Kairo überdies etwa 40 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge an die Grenze zu Gaza beordert. Dort, auf der anderen Seite der Mauer, harren mehr als 1,3 Millionen Palästinenser in der Umgebung der Stadt Rafah aus – ungeschützt vor den israelischen Luftangriffen, unter extremer Lebensmittel- und Wasserknappheit, in ständiger Todesangst. Weil Israels Armee nun auch in diesem Bereich des Gazastreifens vorgehen will, hat sie Ägypten einen Evakuierungsplan für die palästinensischen Flüchtlinge vorgelegt.

Zahlen sollen andere

Demnach sollten die Zivilisten in 15 Zeltstädte im südwestlichsten Teil des Gazastreifens gebracht werden, jede einzelne davon soll rund 25.000 Menschen vorübergehend Unterkunft bieten. Zahlen sollen dafür, so der Vorschlag der israelischen Führung, die USA, die arabischen Staaten und darunter besonders Ägypten. Und organisieren solle diese gewaltige Massenevakuierung die UNO. Von der aber kam postwendend eine klare Absage: „Wir werden uns nicht an der Vertreibung von Menschen beteiligen“, sagte ein UN-Sprecher.

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Und auch Ägypten lehnt den Plan kategorisch ab. Ohnehin befürchtet die Führung in Kairo, dass sich Israels weit rechts stehende Koalitionsmitglieder mit ihren Forderungen durchsetzen: Diese verlangen, dass der Gazastreifen für eine Wiederbesiedelung für Israelis geöffnet werde. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht anderes, als dass die knapp zwei Millionen Palästinenser dauerhaft aus Gaza vertrieben werden könnten. Und zwar – so fürchtet man in Kairo – auf die Sinaihalbinsel nach Ägypten.

Ägypten hat massive Sicherheitsbedenken

Für den ägyptischen Außenminister Sameh Shoukry wäre das „völlig inakzeptabel“. Und das nicht nur, weil der Staat am Nil ohnehin bereits gut neun Millionen Flüchtlinge beherbergt.

Vor allem hegt Ägypten, das mit aller Härte gegen die radikalen Islamisten der Muslimbrüder vorgeht, massive Sicherheitsbedenken. Kämen Tausende oder Hunderttausende palästinensische Flüchtlinge aus Gaza nach Ägypten, würden mit ihnen zusammen auch Hamas-Terroristen einsickern, befürchtet man in Kairo.

Mit allem Nachdruck drängt Ägypten deshalb auf eine möglichst baldige Feuerpause in Gaza. Zusammen mit den Vermittlern aus den USA, Katar und Saudi-Arabien wird in Kairo deshalb weiter unter höchsten Druck nach einer möglichen Lösung für Gaza gesucht.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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