Warum die Bierpartei und Wlazny so medienscheu geworden sind

Politik

Die Partei von Dominik Wlazny alias Marco Pogo geizt mit Inhalten und geht Medien aus dem Weg. Genau das könnte ihr Erfolg bringen.

Wenn es eine Strategie der Bierpartei ist, der Öffentlichkeit Rätsel aufzugeben, dann hat sie diese in den vergangenen Wochen ziemlich konsequent verfolgt. Erst verkündet Parteigründer Dominik Wlazny (alias Marco Pogo) das Antreten seiner Partei bei der Nationalratswahl, obwohl er das selbst verkündete Finanzierungsziel klar verfehlt hat. 

Das Ganze im Rahmen einer Pressekonferenz, in der keine Fragen zulässig waren. Etwa zu seinem Programm, das nach wie vor nicht vorhanden ist. Zu guter Letzt gab der hauptberufliche Musiker nun wie berichtet überraschend sein Mandat in der Simmeringer Bezirksvertretung zurück. Auf die Frage nach den Gründen wird von der Partei auf eine Pressekonferenz Ende Mai verwiesen.

Experten bewerten das merkwürdig anmutende Vorgehen der Bierpartei als zwiespältig: „Demokratiepolitisch ist es natürlich ein Problem, wenn eine Partei keine Positionen von A wie Arbeit bis Z wie Zuwanderungen vorweisen kann“, sagt der Politologe Peter Filzmaier.

Image der Bierpartei: Anders sein

Strategisch würden der Bierpartei die fehlenden Inhalte aber keineswegs schaden: „Sie lebt vom Image des Andersseins“, betont er. Mit der Festlegung auf inhaltliche Positionen würde man zudem dem politischen Gegner mehr Angriffsflächen bieten. 

Weiters würde das zögerliche „Herausrücken von Inhalten den Spannungsbogen aufrechterhalten“. Man wolle möglicherweise verhindern, so Filzmaier, als Kleinpartei im Wahlkampf, der sich gegen Ende hin immer mehr auf das Rennen um die Spitzenplätze zuspitzt, unter die Räder zu kommen. 

Glaubt man Kennern der Partei, werde es vielleicht nie ein klassisches Wahlprogramm geben. Auch bei den meisten anderen Parteien würden sich die Wähler ohnehin kaum für ein solches interessieren.

  Karner über Tour von FPÖ-Chef Kickl: "Das ist erbärmlich“

Vielmehr gehe es den Fans der Bierpartei allein um die Person Wlazny und darum, was er verkörpert. Etwa das Thema Menschenrechte, das Image, das er sich als Arzt aufgebaut hat, gepaart mit einer gewissen Unternehmerfreundlichkeit, zumal er selbst einer ist. 

Medienscheuer Wlazny

In diesem Zusammenhang ist wohl auch die Strategie zu sehen, Medien- und Interviewanfragen so weit wie möglich auszuweichen. Ein Vorgehen, zu dem heutzutage wohl kaum ein Medientrainer raten würde und das man ansonsten am ehesten noch von der FPÖ kennt. Aber auch hier könnte für Wlazny die Überlegung gelten, dass alles, was man sagt, gegen ihn verwendet werden kann.

Bleibt noch der Rückzug aus dem Simmeringer Bezirksparlament, in dem Wlazny seit 2020 sitzt. Ein Schritt, der bei Beobachtern für Verwunderung sorgt, ist doch der zeitliche Aufwand für diese Funktion schon aufgrund der relativ geringen Zahl an Sitzungen nicht mit jenem anderer Politik-Jobs vergleichbar.

Für Filzmaier könnte aber auch hinter diesem Schritt der Versuch stecken, weniger Angriffsflächen zu bieten. Letztlich habe aber diese Entscheidung Wlaznys wohl nur die Relevanz einer Fußnote.

Das Luxusproblem der Bierpartei

Die Wähler stört das unkonventionelle Agieren der Bierpartei anscheinend nicht: Laut Umfragen sollte sie den Einzug in den Nationalrat schaffen (4 Prozent-Hürde). Erst danach wird sich zeigen, ob sie wie ähnliche Polit-Projekte eine Eintagsfliege bleibt und an den Mühen des Alltags zerschellt. Filzmaier: „Aber das ist für die Bierpartei zum jetzigen Zeitpunkt noch ein Luxusproblem.“ 

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.