Warum die Pandemie für Kinder keine verlorene Zeit ist

Politik

Corona hat viele Probleme bei jungen Menschen verstärkt, psychische Erkrankungen nehmen zu. Wie geholfen werden kann, welche positiven Seiten es gibt.

Zwei Jahre dauert die Pandemie nun schon an. Zwei Jahre sind in einem Erwachsenenleben nur eine Episode, im noch kurzen Leben von Kindern und Jugendlichen ist das eine lange Zeit. Zwei Jahre, die ihnen in einer ganz entscheidenden Phase in ihrer Entwicklung „gestohlen“ wurden – durch Lockdowns, durch Kontaktbeschränkungen und durch Schulschließungen.

Wie kommt die junge Generation damit zurecht? Und wie kann man ihr in einer scheinbar endlosen Pandemie Hoffnung geben, die Versäumtes wiedergutmachen?

Die Pandemie als Lernprozess

Ein guter Anfang wäre, die Zeit nicht als „verloren“ zu betrachten, sagt Birgit Satke von Rat auf Draht, sondern als „Lernprozess“.

Bei den rund 200 Beratungsgesprächen, die ihr Team pro Tag auf verschiedenen Kanälen (telefonisch unter 147 oder auf rataufdraht.at) durchführt, gehe es vor allem darum, die Betroffenen wieder handlungsfähig zu machen und sie an ihre Optionen zu erinnern. Die Pandemie sei meist nicht Ursache, sondern Verstärker von Problemen, die schon vorher da waren. „Die Dramatik hat zugenommen, und die Gewichtung ist eine andere“, sagt Satke.

Angst vor der Realität

Seit Corona gehe es bei den Beratungsgesprächen seltener um Liebeskummer und häufiger um Überforderung, Schlaf- und Essstörungen; bis zu vier Mal am Tag ruft jemand mit Suizidgedanken an. Überfordert seien viele Jugendliche mit der Schule, geballt mit privaten Sorgen können sie dann nicht gut schlafen. Und wer nicht gut schläft, ist weniger leistungsfähig. Ein Teufelskreis.

Neu sei, dass bei vielen Teenies der Selbstwert in der „realen Welt“ verloren gegangen sei, weil sich in der Isolation das Sozialleben auf soziale Medien verlagert habe, schildert Satke. Manche hätten Aggressionen entwickelt, weil im Lockdown die Möglichkeit fehlte, sich beim Sport auszutoben oder bei anderen Hobbys Ausgleich zu finden.

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Der Kontakt zu Gleichaltrigen sei „enorm wichtig“ in dem Alter. Durch das viele Zu-Hause-Sitzen dürfte sich bei manchen die Entwicklung von Autonomie und die Loslösung vom Elternhaus verzögern.

Die positive Seite: Viele Familien seien mehr zusammengewachsen. Kinder und Jugendliche hätten gelernt, Rücksicht zu nehmen und festgestellt, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Auch in die Schule gehen zu „dürfen“ wurde plötzlich wertgeschätzt.

KURIER / Tichy

Überhaupt sei die Rolle der Schule essenziell, sagen auch zwei Pädagoginnen im KURIER-Gespräch: Als sozialer Ort, der Struktur gibt, wirke Schule als Stabilisator in unsicheren Zeiten.

„Dann machen wir etwas Lustig“

„Den Kindern geht es gut“, sagt Sonja Schärf-Stangl, Direktorin der Volksschule in Felixdorf (NÖ). „Aber natürlich fehlt etwas.“ Das offene Lernen und die Gruppenaktivitäten, die sich zuletzt in der Pädagogik durchgesetzt haben, sind wegen Corona nur eingeschränkt möglich. „Wir machen wieder Schule wie früher, hauptsächlich Frontalunterricht.“

Was die Schutzmaßnahmen betrifft, seien die Kleinen oft unkomplizierter und anpassungsfähiger als ihre Eltern. In der Volksschule gelte das Credo: „Wir bringen die Tests hinter uns, desinfizieren uns die Hände, setzen die Maske auf – und machen dann etwas Lustiges.“

Wie stark Kinder die Pandemie als Belastung erleben, hänge von Umfeld und Wahrnehmung ab – das bestätigt Doris Pfingstner, Direktorin der Modularen Mittelstufe Aspern, Wien. „Die Frage ist: Fühle ich mich ohnmächtig ausgeliefert; oder zeige ich als Erwachsener, dass ich …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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