Wie Gretchen Carlson einen der mächtigsten Medien-Männer zu Fall brachte

Politik

Gretchen Carlson brachte einen der mächtigsten Männer im Medienbusiness zu Fall. Jetzt will sie nicht mehr darüber schweigen müssen.

Ein Jahr vor dem Skandal um den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein verklagte Fox News-Moderatorin Gretchen Carlson einen der mächtigsten Männer im Medienbusiness, ihren Chef Roger Ailes, wegen sexueller Übergriffe. Sie wurde damit zur ersten Aktivistin der #MeToo-Bewegung. Die frühere Miss America, die ihren Ruhm nicht in eine Model- oder Schauspielkarriere verwandelte, sondern stattdessen ihre Universitätsabschlüsse in Stanford und Oxford machte, war die erste von zehn weiteren Frauen, die Ailes derselben Delikte beschuldigten.

Nachdem der Senderchef gefeuert wurde, einigte sich Carlson mit Fox News, bekam dafür 20 Millionen Dollar und musste eine Abmachung („Non-Disclosure-Agreement“, NDA) unterschreiben. Der Vertrag hält die 54-Jährige bis heute davon ab, Details zu veröffentlichen. Mit dem KURIER sprach Gretchen Carlson darüber, warum sie das ungerecht findet, über ihre Organisation „Lift Our Voices“, die vergiftete Arbeitsatmosphäre für Frauen, sowie die Zukunft der #MeToo-Bewegung.

Aus Los Angeles Elisabeth SeredaKURIER: Nachdem weitere zehn Frauen Roger Ailes klagten, wäre er einem Prozess nicht entkommen, verstarb aber, bevor es dazu kommen konnte. Fühlen Sie sich betrogen, dass er im Gegensatz zu Harvey Weinstein einer Strafe entging?

Gretchen Carlson: Haha, ich darf noch immer nichts über Roger Ailes sagen, aufgrund meines Agreements mit Fox, was komplett verrückt ist, weil er tot ist. Aber dieses Agreement gibt es, solange seine Frau und sein Sohn leben, und der Sohn ist erst 21. Ich kämpfe gerade gegen diese Art von Abkommen, denn das sind Mechanismen, um Frauen – und Männer – zum Schweigen zu bringen. Wenn wir damit keinen Erfolg haben, wird sein Sohn mich mit Sicherheit überleben, und ich werde nie die ganze Wahrheit erzählen können.

  Merkel: "Wir haben es in der Hand, wir sind nicht machtlos"

Wir wissen relativ viel über das, was passiert ist, weil für den Film „Bombshell“ und die TV-Serie „The Loudest Voice“ sehr viel und gut recherchiert wurde. Woher nahmen Sie den Mut, sich als Erste im Mediengeschäft gegen die Übergriffe zu wehren und eine Klage einzureichen?

Diese Courage habe ich von klein auf mitbekommen. Meine Eltern haben mich erzogen, gegen Ungerechtigkeiten Einspruch zu erheben, das geht bei mir bis in den Kindergarten und die Volksschule zurück. Da setzte man mich in eine Gruppe von Schülern, die nicht lesen konnten, und ich protestierte so lange, bis ich in die richtige Gruppe versetzt wurde, denn ich konnte lesen. Diese Geschichte mag eine Kleinigkeit sein, aber sie ist wichtig, weil sie meine schulische Entwicklung stören hätte können. Und sie sagt viel darüber aus, dass man besonders kleine Mädchen dazu erziehen muss, ihre Stimme zu erheben. Das heißt jetzt nicht, dass die Entscheidung, im Juli 2016 einen der mächtigsten Männer der Welt zu verklagen, eine leichte war. Das hat sich lange in mir aufgestaut, als ich realisierte, dass mir die Karriere, die ich über 25 Jahre lang aufgebaut hatte, weggenommen werden könnte. Aber mir war auch klar, dass, wenn ich in meiner Position nichts sage, wer sollte es dann?

Was hat Sie dazu bewogen, Organisationen zu gründen, die ein derartiges Verhalten am Arbeitsplatz zu verhindern versuchen?

Es war nie mein …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.