Wie zwei Touristinnen Island zur Corona-Risikozone machten

Politik

Die Insel verzeichnet plötzlich extrem hohe Fallzahlen. Schuld sind unter anderem zwei aufsässige Französinnen

„Es war wohl schwierig, ihnen die Anweisungen nahezubringen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Islands Staatsepidemiologe Thórólfur Guðnason gab sich vor einigen Wochen nordisch-nobel, als er über jene zwei Touristinnen sprach, die das Land ziemlich in Aufruhr versetzt hatten. Man hätte mehr Zorn nämlich durchaus verstanden: Die zwei Französinnen waren nämlich bei ihrer Einreise positiv getestet worden – und gingen danach dennoch in Reykjavik feiern, immerhin wurde es ja dank der Mitternachtssonne bis frühmorgens nicht dunkel.

100 Fälle täglich

Die Folgen ihrer Quarantäne-Verletzung spürt das einstige Corona-Vorzeigeland Island heute mehr denn je.

Die beiden unbelehrbaren Frauen steckten in zwei Bars im kleinen, aber ausgesprochen lebendigen Zentrum der Hafenstadt unzählige Menschen an; „das hatte einen Cluster von zumindest 100 Personen“ zur Folge, so Guðnason. Mittlerweile ist daraus eine tägliche Steigerung von 100 Fällen täglich geworden, Tendenz steigend. Derzeit gelten mehr als 900 Menschen als erkrankt, für das 364.000-Einwohner-Land eine erschreckende Zahl: Bis Juli hatte Island das Virus nämlich quasi von der Insel verbannt gehabt, dank rigoroser Maßnahmen, an die sich die Bürger auch konsequent hielten.

Neuer Mini-Lockdown

Die Konsequenzen daraus spüren die Isländer seit der Vorwoche. Weil die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen der letzten sieben Tage auf knapp 140 gestiegen ist (zum Vergleich: Wien liegt bei 153), schließt man Bars, Fitnessstudios, Friseure und Massagestudios.

Restaurants dürfen zwar offen halten, müssen aber bereits um 21 Uhr schließen. Masken in allen Verkaufsräumen sind ohnehin verpflichtend, zudem muss obligatorisch ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden – Ansammlungen von mehr als 20 Menschen sind untersagt, Theater bleiben geschlossen, größere Veranstaltungen sind zunächst abgesagt. Nur Schulen und Kindergärten bleiben offen, wie bei der ersten Welle im Frühling auch schon.

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Tests, Tests, Tests

Dass eine Eindämmung – wie damals – gelingt, darauf hofft die isländische Regierung nun. Um das zu erreichen, setzt man auf staatlich finanzierte Isolation – wer ein Verdachtsfall ist, kann ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Zudem werden extrem breitflächige Screenings durchgeführt. Für die Isländer, wegen ihrer einzigartigen Genetik traditionell Lieblingsobjekt internationaler Forscher, sind flächendeckende Untersuchungen ohnehin fast Routine.

Die tägliche Zahl liegt zwischen 3.000 und 4.000 Testungen. Zum Vergleich: Österreich – mit 24 Mal so vielen so vielen Einwohnern – führte zuletzt im Schnitt 18.000 Tests täglich durch.Evelyn Peternel

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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